Die Wüste Welt - und eine Portion Hoffnung
Was wäre, gälte Schopenhauers Wort? Was also wäre, würde sich das Wesen einer Gesellschaft durch Musik ausdrücken lassen? Nähme man Aribert Reimanns «Lear»-Partitur zum Maßstab und setzte die Entstehungszeit in eins mit der Jetztzeit, es stünde gewiss nicht eben gut um die menschlichen Belange. Kaum eine Oper nach 1945 trägt so sehr die Züge des Apokalyptischen wie dieses Werk in zwei Teilen auf Shakespeare, das 1978 in Münchens Nationaltheater seine Uraufführung erlebte, mit Dietrich Fischer-Dieskau in der Titelpartie (der Reimann zur Komposition animiert hatte).
Mehr noch als in seiner Kafka-Oper «Das Schloss», formulierte Reimann das Abgründig-Verschmutzte der Welt und ihrer Bewohner vermittels erschütternder Klänge, die den Hörer geradezu zwingen, hinabzusteigen in die Verderbtheit der menschlichen Seele. Um diese Atmo-
sphäre zu kreieren, verwendet Reimann eine Vielzahl orchestraler Mittel: weit auseinanderklaffende, gleichsam psychotisch irrlichternde Streicherlinien, dumpfes, katakombengleiches Gedröhn (und Gestöhn), massive, grell-pastose Cluster-Wände, insistierend-synkopisches Schlagwerk, und immer wieder formelhafte, an Messiaens Modi gemahnende Blechbläser-Attacken, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Am 28. August ging auf dem Grünen Hügel zu Bayreuth eine Ära zu Ende: An diesem Tag wurde Wolfgang Wagner offiziell als Leiter der Festspiele verabschiedet. Achtundfünfzig Spielzeiten hatte der inzwischen 89-Jährige maßgeblich geprägt. Seit dem Tod seines Bruders Wieland 1966 beherrschte er zweiundvierzig Jahre allein das Geschehen im Festspielhaus. Insgesamt 1706...
Luigi Dallapiccolas Kurzoper «Il prigioniero» («Der Gefangene»), 1944 unter dem Eindruck des italienischen Faschismus begonnen und 1949 (unter der Leitung Hermann Scherchens) in Turin uraufgeführt, ist neuerdings wieder häufig auf den Spielplänen zu finden. Zuletzt stand das von melismatisch-expressiver Italianità durchsetzte Zwölftonopus in Paris zur Diskussion...
Für ihr neues Album «Souvenirs» wird Anna Netrebko im gala-bunten PR-Buch ein Text mit dem Beigeschmack hohen Schwachsinns in den Mund gelegt. Es sei «wie ein prächtiger Blumenstrauß mit den verschiedensten Blüten und Farben. Es soll eine wunderbare Palette an Gefühlen schaffen – Leidenschaft, Freude, Liebe, Zärtlichkeit». Zusammengestellt sei das Programm, so der...
