Problematisch
Erst, wenn sie klingt, davon war Pauline Viardot-García überzeugt, sei Musik wirklich Musik. Und auch Beatrix Borchard, die dieser Sängerin, Komponistin und Pädagogin eine umfangreiche Monografie gewidmet hat, teilt diese Überzeugung. Nun ist Klang aber flüchtig und erst seit gut hundert Jahren reproduzierbar. Auch das mag ein Grund dafür sein, dass Musikwissenschaft sich lange ans Schriftliche hielt, an Partituren, und darin das einzig Diskutierbare erblickte. Wer sich mit dem beschäftigt, was an Musik nicht zu verschriftlichen ist, muss neue Methoden finden.
Das ist der Anspruch, aber zugleich auch das Problem von Borchards Buch.
Die Urteile über Pauline Viardot, geborene García, die 1821 in Paris zur Welt kam und 1910 dort starb, sind von seltener Einmütigkeit. Frédéric Chopin und Clara Schumann, Heinrich Heine und Théophile Gautier bezeichneten sie als «genial». Giacomo Meyerbeer schuf die Partie der Fidès im «Propheten» für sie, Camille Saint-Saëns widmete ihr «Samson et Dalila»; die «Altrhapsodie» von Johannes Brahms und das Oratorium «Marie Magdeleine» von Jules Massenet brachte sie zur Uraufführung. Ihr Vater, der spanische Tenor Manuel García, war der erste Almaviva in ...
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Opernwelt August 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 28
von Jan Brachmann
Ein Montag im Juni. Der Zuschauerraum der Münchner Kammerspiele liegt im Halbdunkel, in Reihe 8 sitzt David Marton, in T-Shirt, Jeans und Turnschuhen, und reibt sich die Augen. In wenigen Minuten beginnen die Endproben zu «Figaros Hochzeit», die Zeit rast, fünf Tage bleiben bis zur Premiere – und Marton kämpft gegen ein Problem, das nur die wenigsten Regisseure...
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Ein Glöckchen ertönt, und wie von Zauberhand bewegt schieben sich neue Kulissenteile auf die Gassenbühne, während im Hintergrund ein anderer Prospekt abrollt: ein Verwandlungsakt, der etwas ganz Besonderes darstellt und sich im Ekhof-Theater auf Schloss Friedenstein noch einige Male wiederholen soll. Kein Wunder, besitzt das herzogliche Barocktheater doch eine...
