Erinnern und Vergessen Im Raum der Klänge
Gedanken
Warum Musiktheater? Warum überhaupt komponieren? Immer wieder stellt sich mir diese Frage, wenn ich sprachlich auf Musik zugehe, auf ihre Geschichte und Gegenwart, ihre Rezeption und institutionellen Bedingungen. Und zugespitzt begegnet sie einem, wenn das Sujet selbst auf Sprache gründet, sie erzeugt und von ihr umgeben ist, wie es im Musiktheater der Fall ist. Auch ungeschriebene Opern sind bereits voll von Geschichten.
Doch das Komponieren will sich nicht in Worten begründen, selbst wenn sie die musikalische Idee kanalisieren und mit ihr verwoben bleiben.
Es ist dem Komponieren wesentlich, Sprache zu vergessen, indem eine Wahrnehmung umschlägt in eine musikalische Imagination. So will Musiktheater weder einen Text übersetzen noch erklären, sondern klingend einer Neugierde auf den Grund gehen, die sich auf der Schwelle zwischen außer- und innermusikalischer Wahrnehmung entzündet.
Das Ineinandergreifen von Raum- und Zeitwahrnehmung im Rahmen einer Handlung, die beide Ebenen untrennbar mit ihrem Inhalt zusammenführt – das mag ein zentrales Motiv gewesen sein, warum der Stoff der «Odyssee» mich nicht mehr losgelassen hat und ich dieser Faszination schließlich ...
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Merkwürdig: Je ärger die Berliner Opernkrise sich in den letzten Jahren zuspitzte, desto makelloser glänzte die Staatskapelle Berlin. Fast als «pièce de résistence» und Insel der Herrlichkeit inmitten eines Molochs. Schon zum vierten Mal (nach 2000, 2004 und 2005) ist das Orchester zum besten Klangkörper eines Opernjahres gewählt worden. Ein Grund zu sagen: So...
Lassen Sie uns mit einer persönlichen Frage beginnen: Sie sind dreizehn Spielzeiten lang Chef der Bayerischen Staatsoper in München gewesen, Sie sind von Queen Elizabeth II. zum Knight of the British Empire geschlagen worden. Welche Anrede gefällt Ihnen am besten? Herr Staatsintendant? Sir? Mister Jonas?
Das mit dem Staatsintendanten habe ich sofort nach meinem...
Viel habe ich während meiner dreizehn Jahre als Intendant der Bayerischen Staatsoper gelernt. Dazu gehört, dass es leider nur zu oft unumgänglich für ein Opernhaus ist, bockig und kompromisslos zu sein. Es gehört zu unseren Aufgaben, die Vorstellung darüber, was möglich oder akzeptabel ist, auszudehnen. Die Politik sollte Toleranz aufbringen für das, was wir tun...
