Kopfkino
Die Tonart verheißt nichts Gutes: d-Moll, das klingt nach grimmig-versteinertem Komtur, nach Verderben, nach Tod. Aber genau darum geht es in diesem allegro assai moderato zu Beginn des zweiten Akts, das mit heftigen Oktavschlägen im Orchester einsetzt, zwischendurch beklemmend in die Stille hineinatmet und dann in den Celli jene schmerzensreiche pianissimo-Kantilene aus dem Graben heraufsteigen sieht, die wenig später Normas Andante «Teneri, teneri, figli» untermalen wird.
Con dolore wünscht sie sich der Komponist, und das ist fast zu wenig, um diesen Medea-Moment zu beschreiben: eine Mutter, die, von Furien gefesselt, ihre Kinder umbringen will. Den Dolch hält Hrachuhi Bassenz schon drohend umklammert. Doch sie hadert. Hebt die Hand nochmals. Und lässt sie, in einem fassunglosen Schrei, erneut sinken.
Katrin Nottrodts Bühne in Oslo, eine abgeschrägte, beharrlich um sich selbst kreisende Installation aus Metall und Holz, wirkt nun plötzlich fokussiert. Wir blicken in einen grün gestrichenen, sich nach hinten verjüngenden Kasten, das Schlafzimmer der Kinder. Fast gewinnt man den Eindruck, die armenische Sopranistin wäre dankbar für diese Zuspitzung. Plötzlich strömt ihre Stimme, ...
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Opernwelt März 2018
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Jürgen Otten
Bloß kein Meer! Wenige Tage vorher zeigte David Hermann in Karlsruhe «Simon Boccanegra» als Stück aus Innenräumen. Bilder des ligurischen Meeres, von dem Text und Musik erzählen, waren verpönt. Verdis «tinta musicale», die das einfängt, was man später «Naturlaut» nannte, prallte auf eine eng bebaute Drehbühne, die sich gänzlich verschließen konnte und kaum Blicke...
Wo Musik ist, muss ein Dämon sein», bemerkte der New Yorker Geiger Herman Martonne einmal über Mahler. Er hatte dabei weniger den Komponisten als den Dirigenten im Sinn. Einen Dämon, der, nicht nur in Tempofragen, allein dem eigenen inneren Kompass vertraute. Einem Instinkt freilich, der, historisch informiert, auf die unerhörte Vergegenwärtigung des Vergangenen...
Hm. So sieht also das «Elysium» aus. Hätte man sich luftiger, seraphischer vorgestellt, in etwa so, wie es Wilhelm Heinse in seinem Roman «Die Insel der Glückseligen» geschildert hat, als einen Ort bacchantischer Verschlingungen. Über die leere Bühne von Rebecca Ringst jedoch, die bereits in den ersten beiden Akten aus nichts als einer kühlweißen, ziemlich weit...
