Zeremonien und Rituale
Der Big Apple liebt den Superlativ. Wer sich und seine Sache nicht in den höchsten Tönen anpreist, steht hier schnell im Abseits. Das Größte, das Glanzvollste, das Berühmteste muss es schon sein, wenn man die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit erregen will. Auf dem Marktplatz New York zählt nun mal vor allem der grelle Pinselstrich, das blendende Breitwandformat.
Wie das gewinnbringende Zusammenspiel von Produkt und PR dort funktioniert, lässt sich am Beispiel der Metropolitan Opera studieren.
Seit Peter Gelb die Zügel in dem 3800-Plätze-Haus am Lincoln Center in der Hand hält, ist die alte Operntante gleichsam über Nacht wieder zu einem hot issue geworden. Die Premiere von «Madama Butterfly» in der Inszenierung des Hollywood-Regisseurs Anthony Minghella, mit der Gelb im September vergangenen Jahres die erste Saison seiner Amtszeit eröffnete (siehe OW 11/2006), hatte das Flair eines unverzichtbaren gesellschaftlichen Events: So viele (Film-) Stars und VIPs jedweder Provenienz waren schon lange nicht mehr in den Met-Foyers gesichtet worden. Zudem hatte der neue General Director eine Live-Übertragung der Aufführung auf den Times Square eingefädelt: Tausende New Yorker konnten ...
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«Les Contes d’Hoffmann» feierten 2002 an der Deutschen Oper Berlin eine ambitionierte, doch unfertig wirkende Premiere in der Regie von Sven-Eric Bechtolf. Weniger anspruchsvoll, dafür konsequent durchinszeniert, hebt nun die Komische Oper Thilo Reinhardts deutschsprachige Produktion (mit Dialogen) auf die Bühne. Dem Regisseur kommt dabei die Aufgabe zu, gegen die...
Es sei ein Zeichen von geistesgeschichtlichem Instinkt, dass Kritiker zur Eitelkeit neigen, befand Joachim Kaiser im einleitenden Essay zu seinem «Kleinen Theatertagebuch» (1965). Denn dadurch verrieten sie, dass sie alle Sicherheiten des Urteils vorspielen müssten. Dies scheint sich vor allem dann zu bestätigen, wenn in ein und derselben Sache die Meinungen...
Skandale lassen sich nicht reproduzieren. Das hatte Joachim Herz wohl auch nicht im Sinn, als er 1977 bei seiner Berliner Inszenierung von Brecht/Weills «Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny» an der Komischen Oper einen «Mann, der damals schon dabei war» in das Personal einschleuste. Man kann in dieser Maßnahme einen nostalgischen «Blick zurück» sehen, kann sie...
