Modellhafte szenische Versuche
Sechs modellhafte Versuche, die Gattung Oper nach dem Verstummen Wagners und Verdis ins 20. Jahrhundert hinüberzuretten, sind in sechs modellhaften Produktionen zu besichtigen, die im zurückliegenden Jahr erstmals auf DVD herausgekommen sind. «Modellhaft» bezeichnet dabei einen Interpretationsansatz, der genaue Werkkenntnis mit szenischer Fantasie verbindet, ohne den nachschöpferischen Akt des Inszenierens in den Vordergrund zu rücken.
So hat es in den letzten Jahren beispielsweise nicht an regielichen Versuchen gefehlt, das eigentlich unverwüstliche Verismo-Tandem «Cavalleria rusticana»-«I pagliacci» durch werkfremde Einfälle doch kleinzukriegen. Wer wissen will, was in diesen beiden Stücken an sich steckt, ist mit Giancarlo del Monacos Madrider Inszenierung gut bedient. Der Sohn des großen Tenors hat diese Werke gleichsam in den Genen, seine Münchner Inszenierung von 1978 begründete seine Karriere. Seitdem hat er Cav/Pag, wie die Engländer sagen, in verschiedenen Städten mit verschiedenen Bühnenbildnern immer wieder neu aufgenommen. Diese bislang jüngste Produktion zeigt keine Spuren erschlaffter Routine, sondern verbindet Tradition mit erhellenden neuen Einfällen und vermeidet ...
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Stephan Mösch: Herr Zehelein, vielen Dank für die vielen Einsichten und Ansichten. «Kommunikative Ästhetik» ist ein großes Wort. Ich möchte, um unsere Diskussion anzuschieben, die Gegenposition mobilisieren. Bei der Vorbereitung auf unser heutiges Gespräch ging mir ein Satz von Jean-Pierre Ponnelle nicht aus dem Sinn. Was wir heute von Ponnelles Ästhetik halten...
Das Medium CD wird mehr und mehr ein Medium für Hobbybastler. Wer die Neuaufnahme von Händels «Riccardo Primo» zur Hand nimmt, findet kein Libretto im Booklet, sondern nur den Hinweis, dass sich der Text auf CD 1 im PDF-Format abrufen lasse. Nun denn. Der Ausdruck lässt sich in schmucken Ordnern abheften oder aber mühsam mit einer Schere bearbeiten, bis man das...
153 Jahre moderte Charles Gounods zweite, 1854 uraufgeführte Oper «La nonne sanglante» («Die blutige Nonne») in den Archiven, ehe sie jetzt in Osnabrück der Vergessenheit entrissen wurde. Seinerzeit hatte der neue Direktor der Pariser Opéra das von seinem Vorgänger in Auftrag gegebene Werk abgesetzt, weil es durch die Verquickung von Elementen des Schauerdramas mit...
