Hermanns Erzählungen
Der Abend könnte auch Hermanns Erzählungen heißen. Tschaikowskys Hermann und Offenbachs Hoffmann sind Brüder im romantischen Geiste – fragile Existenzen, die, wie der britische Germanist Roger Paulin schreibt, «sehr leicht ins Dämonisch-Fratzenhafte, ja ins Verbrecherische abgleiten» können. Regisseurin Eva-Maria Höckmayr erzählt in ihrer Freiburger «Pique Dame»-Inszenierung Fantasiestücke à la E. T. A. Hoffmann.
Der tragische Held, der im Unterschied zu Hoffmann nicht an drei Frauen, sondern an drei Karten scheitert, ist fast immer auf der Bühne, durchlebt sein Schicksal alptraumgleich. Wie schon in Höckmayrs «Otello» spielt die Drehbühne eine zentrale Rolle. Nina von Essen und Rena Donsbach haben darauf eine Konstruktion verschachtelter, vertäfelter Bühnenportale gestellt, die unterschiedliche perspektivische Optionen bietet. Die großen Ensembleszenen, Maskenball und Spielsaal, bekommen dadurch mehrere theatrale Ebenen. Im ersten Fall ist das eine ideale Konstellation für das Rokoko-Schäferspiel im Spiel, im zweiten bereitet das Aufeinanderprallen von Innen- und Außenwelt die Katastrophe vor. Julia Röslers Kostüme zwischen Ancien Régime, Romantik (die weißen Tutus der jungen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Mai 2013
Rubrik: Panorama, Seite 52
von Alexander Dick
Den Verstand zu verlieren über Wagners «Weltabschiedswerk» galt lange als gute Tradition. Zumal im Bayreuther Festspielhaus, für dessen «mystischen Abgrund» der Meister sein opus summum bekanntlich konzipierte. Woher die Klänge kommen, wie sich Stimmen, Strukturen und Farben mischen – darüber sollte das Publikum staunend rätseln wie Gurnemanz über die Herkunft des...
Tannhäuser ist genervt. Unruhig tigert er durch den Salon der Dame Venus. Weder sie noch die tanzenden (schein-) nackten Damen und Herren, die eben noch im Bilderrahmen hinten auf der Bühne der Straßburger Opéra national du Rhin in Starrheit verharrten, können ihn auf andere Gedanken bringen: Er will da weg. Der Raum, in dem er sich immer unwohler fühlt, ist nichts...
Ein Schluss, wie er im Buche steht. Längst haben Hagens Mannen Siegfrieds Katafalk aus Stühlen aufgeschichtet, als Brünnhilde erscheint, das Gesicht unterm Witwenschleier verhüllt und ein Flämmchen tragend, als wär’s das der Freiheitsstatue. Selbst wenn sie sich am Ende nicht aufs hohe Ross schwingt, scheint das ganze Theater unter ihren Füßen zu entflammen. Wüstes...
