Liebesblick der Ware
Wir sind, schrieb Bernd Guggenberger in seiner Studie über die «Schönheit als soziale Macht», umzingelt von Bildern, die sich «über raffiniert arrangierte Begegnungen der allerersten Art, der kreatürlichen Dimension, ihren Anteil an der knappen Ressource Aufmerksamkeit zu sichern» versuchen. Im Zeitalter virtueller Stars muss man sich wohl damit abfinden, dass inzwischen auch bei Sängerinnen die Schönheit die beste Empfehlung ist – wie bei Danielle de Niese. Vom Cover ihres «Mozart-Albums» schenkt sie den Kunden das, was Karl Marx als den Liebesblick der Ware bezeichnete.
Bezeichnend, dass neben den musikalischen Produzenten auch die der femininen Imago aufgeführt werden, die Stylisten für Make-up und Haar. Dann hört man die exotische Schönheit, die auf der Rückseite eines PR-Heftes im durchscheinenden Kleid am Fenster steht, mit der Motette «Exsultate, jubilate» – doch das Gesicht der Stimme, sehr nahe am Mikrofon aufgenommen und dadurch artifiziell vergrößert, ist keineswegs so makellos ebenmäßig wie das zartrosa geschminkte der Sängerin.
Die Stimme, ein lyrischer Sopran, klingt hell und wendig, in Koloraturen aber, wie schon die erste Sechzehntel-Kette von «Exsultate, jubilate» ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Einzig mit den 66 Takten aus seiner Oper «Una cosa rara», die sein Kollege Mozart ins Finale des «Don Giovanni» eingearbeitet hat, konnte sich der spanische Komponist Vicente Martín y Soler (1754-1806) dauerhaft in der Musikgeschichte festschreiben, während sein übriges Werk, das mehr als 60 Opern umfasst, lange Zeit in Vergessenheit geraten war. Dabei hatte...
Was die Ruhrtriennale von vielen anderen Festspielen unterscheidet, sind nicht zuletzt die Räume. Wer 2006 Bernd Alois Zimmermanns «Soldaten» sah, wird das Zusammenspiel von Zimmermanns multiperspektivischem Kugeltheater mit der monumentalen Stahlkonstruktion der Bochumer Jahrhunderthalle ebenso wenig vergessen wie die magische Aura, mit der die leergefegte...
Das älteste Opernhaus der südlichen Hemisphäre? Es steht nicht in Buenos Aires, nicht in Mexico, nicht in Manaus, sondern auf Mauritius. Joseph Laglaine, ein französischer Entrepreneur, brachte 1790 eine 45 Personen starke Truppe von Musikern und Sängern auf die östlich von Südafrika gelegene Insel. Nach wenigen Jahren mit mehr oder weniger improvisierten...
