Opferrituale

Verdi: Aida in München

Opernwelt - Logo

Bereits im Vorfeld hatte die Münchner «Aida»-Produktion Wellen geschlagen, als Barbara Frittoli die Titelrolle zurückgab – als Grund gab sie an, Probleme mit dem Stil von Neuinszenierungen in Deutschland zu haben. Sie hätte unbesorgt sein können. Christof Nel hat die am Machtkartell von Staat und Kirche zerbrechende Liebe zwischen der äthiopischen Kriegsgefangenen Aida und dem ägyptischen Heerführer Radamès so berührend schlicht und unspektakulär genau erzählt, dass die ungewohnte Geradlinigkeit beim Münchner Premierenpublikum schon wieder heftige Ablehnung hervorrief.

Man hätte dankbar dafür sein müssen, einmal keinen historischen Nachhilfeunterricht erteilt, aber auch keine politisch korrekte Aktualisierung oktroyiert zu bekommen, sondern die Geschichte so zu erleben, wie sie von Verdi gemeint und komponiert ist: als Zusammenprall des individuellen Glücksbegehrens mit der vernichtenden Gewalt gesellschaftlicher Ordnung. Und das ist etwas, was sich überall, auch hier und heute, zutragen kann.
Jens Kilians Szene – hohe, schmucklos nüchterne Mauern, die auf der Drehbühne ständig neue Orte und Räume freigeben – sowie Ilse Welter-Fuchs’ ganz auf den Kontrast von Schwarz und Weiß ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2009
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Uwe Schweikert

Vergriffen
Weitere Beiträge
Verführung zum Hinhören

Die bislang zum Jubiläumsjahr erschienene Händel-Literatur war von einem eklatanten Missverhältnis gekennzeichnet: Während eine ganze Schar von Autoren sich mit der mehr oder weniger blumigen Nacherzählung von Händels Leben beschäftigte, fehlte bislang ein Werk, das den akkumulierten Kenntnisstand von Händelforschung und -aufführungspraxis nutzt, um auch einem...

Intime Bekenntnisse

Als die Met 1991 John Coriglianos «The Ghosts of Versailles» herausbrachte, war jedem klar, dass die Oper zu lang ist. Aber wen interessierte das? Corigliano und sein Librettist William M. Hoffmann hatten in dem von ihnen erfundenen Genre der grand opera buffa eine mitrei­ßende Arbeit abgeliefert, in der Mozarts und Rossinis «Figaro»-Personal auf die Gespenster...

Licht des Südens

Sollte die Musikgeschichtsschreibung ein Genie übersehen haben? Domènec Terradellas wurde 1713 in Barcelona geboren und starb 38 Jahre später in Rom. Seine dreiaktige Metastasio-Oper «Artaserse», 1744 für Venedigs Teatro San Grisostomo komponiert, lässt gleich mit ihrer Eingangsarie aufhorchen. Überrascht vernimmt man in Melodieführung, Harmoniebildung und...