Nicht verwirren lassen!

Frieder Bernius gräbt für sein Festival «Stuttgart Barock» «Die Aeolsharfe» von Justin Heinrich Knecht aus

Opernwelt - Logo

Wenn ein Herr Knecht und ein Herr Remmele in Schwaben eine Oper schreiben, dann erwartet man nicht gerade ein weltläufiges Werk. Der Blick in Remmeles Libretto der «Aeolsharfe» verstärkt den Eindruck. Es gibt eine Melilla und eine Melitta, eine Bulline und einen Bull – der manchmal auch zärtlich «Bullchen» genannt wird. Dass diese 1808 von Justin Heinrich Knecht komponierte, vieraktige Oper nie aufgeführt wurde, liegt allerdings nicht an den merkwürdigen Namen der Protagonisten und wohl auch nicht an der lausigen Handlung.

Schuld waren eher Intrigen gegen den aus Biberach an den Stuttgarter Hof gekommenen Komponisten, die ihn nach nur achtzehnmonatiger Amtszeit wieder zurück in seine Heimatstadt brachten. Aber auch dort blieb Knechts Oper unaufgeführt.
Da musste schon Frieder Bernius kommen, um das Manuskript in Tübingen zu entdecken und für drei konzertante Aufführungen einzurichten. Der rührige Stuttgarter Dirigent ist Experte für musikalische Ausgrabungen und hat in den letzten Jahren und Jahrzehnten immer wieder Schätze der Musikgeschichte gehoben wie beispielsweise Johann Gottlieb Naumanns Oper «Aci et Galatea». Das von ihm 1987 unter dem Namen «Internationale Festtage Alter ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2008
Rubrik: Magazin, Seite 31
von Georg Rudiger

Vergriffen
Weitere Beiträge
Rameau: Dardanus

Trier liegt nur einen Katzensprung von Frankreich entfernt, und doch dauerte es nach der Gründung des Theaters 206 Jahre, bevor erstmals eine Oper von Jean-Philippe Rameau aufgeführt wurde. Mit «Dardanus» kam die Renaissance des französischen ­Barock-Kom­ponisten nun auch in der unmittelbaren Nachbarschaft an. Gespielt wurde eine Mischfassung aus Rameaus diversen...

Mythos modern

Die Renaissance von Luigi Cherubinis «Médée» nach dem Zweiten Weltkrieg ist unauflöslich mit dem Namen von Maria Callas verbunden. Sie besaß die für die monströse Partie notwendige ­vokale Strahlkraft, verband den antikischen Gestus mit einem hochexpressiven Ausdruck, wodurch die ferne Figur eine subtile psychologische Durchdringung erfuhr, die sie unserem...

Lauter Paraderollen

Die früh verstorbene amerikanische Mezzosopranistin Jean Madeira (1918-1972) war in ihrer Generation eine zentrale Protagonis­tin in Bizets «Carmen», die sie nach ihrem Rollendebüt an der Met (1956) über zweihundertmal in aller Welt gesungen hat. Dass ihr Nachruhm aber nicht mit dieser Rolle, sondern eher mit der Klytämnestra in der Strauss-Oper in Verbindung...