Manierlicher Sündenpfuhl

Wagner: «Tannhäuser», Straßburg / Opéra national du Rhin

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Tannhäuser ist genervt. Unruhig tigert er durch den Salon der Dame Venus. Weder sie noch die tanzenden (schein-) nackten Damen und Herren, die eben noch im Bilderrahmen hinten auf der Bühne der Straßburger Opéra national du Rhin in Starrheit verharrten, können ihn auf andere Gedanken bringen: Er will da weg. Der Raum, in dem er sich immer unwohler fühlt, ist nichts anderes als sein Inneres. Voyeure im Frack werfen von der umlaufenden Galerie einen neugierigen Blick auf Boris Kudlickas Szene mit den rollbaren weinroten Chaiselongues, auf denen sich die erotische Gymnastik begibt.

Aha, Paris! Aha, Mitte des 19. Jahrhunderts, die «Tannhäuser»-Zeit! Die Herrenriege nachher: in ihren roten Mützen wie eine Versammlung von stramm deutschnationalen Burschenschaftlern.

Beim Auftritt der Jagdgesellschaft, wieder aus dem Bilderrahmen heraus, lugt die kalt-kahle ­Natur durch einen Türspalt in den Saal. Und dieser Saal ist für den Helden nun auch die «teure Halle» auf der Wartburg. Der Sängerwettstreit geht ihm ebenso auf den Geist wie der manierliche Sündenpfuhl zuvor. Bald platzt ihm der Kragen ob des keuschen und sinnenfernen Singsangs der Liedermacher-Konkurrenz. Die Folge: dicke Luft im ...

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Opernwelt Mai 2013
Rubrik: Panorama, Seite 56
von Heinz W. Koch

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