Irrsinnig verwirrend
Die Innsbrucker Festwochen der Alten Musik mischen gern Klassiker mit Raritäten. In diesem Sommer gab es Claudio Monteverdis «L’incoronazione di Poppea» als Repertoire-Kernstück – und dazu «La Stellidaura vendicante» des weitgehend vergessenen Komponisten Francesco Provenzale (1624-1704).
Provenzale? Schrieb der nicht Kirchenmusik? Ja, aber auch die kennt kaum jemand. Nur zwei weltliche Opern sind überliefert, darunter «Stellidaura» mit einer absolut aberwitzigen Handlung. Die hübsche Titelheldin ist in den kecken Ritter Armidoro verliebt.
Dumm nur, dass auch Fürst Orismondo sie begehrt. Drei Akte lang läuft nun ein verwirrendes Spiel aus Verwandlungen, Verkleidungen und Verwechslungen ab, derweil diverse Säfte fließen, vor allem Schweiß, Tränen und Blut. Stellidaura mutiert von der still leidenden Mitzi zur Florett-schwingenden Amazone, und auch die Herren durchleben wechselnde emotionale und körperliche Zustände. Dazu sorgen zwei Pagen für Wirbel, vor allem Orismondos Diener Giampetro, der ausschließlich «alt»-kalabrisch spricht bzw. singt. Der zweite Aufzug besteht hauptsächlich aus einer gigantischen Briefszene, die alle «Eugen Onegins» und «Werthers» in den Schatten stellt. ...
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Opernwelt November 2012
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Jörn Florian Fuchs
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