Massenet: Werther
In Frankfurt war jetzt die seinerzeit etwas unausgeglichen wirkende Amsterdamer Aufführung von Massenets «Werther» zu besichtigen. Willy Deckers Inszenierung in den Bühnenbildern Wolfgang Gussmanns wirkt dank einer sensiblen, einfühlsamen Personenregie (Willy Deckers Assistent Johannes Erath), eher lebendiger, konturierter und plastischer in den Figurendarstellungen als in der Amsterdamer Erstinszenierung (siehe OW 3/96). Nachspielen muss also nicht immer zu leblos-schematischen Arrangements führen.
Man erlebt in Frankfurt eine völlig neue Besetzung, ein anderes Orchester und einen neuen Dirigenten. Konnte man in Amsterdam mit Susan Grahams Charlotte zuweilen den Eindruck gewinnen, die Oper hieße nach ihr, so trägt sie nun in Frankfurt ihren originalen Titel wieder zu Recht. Mit Piotr Beczala behauptet Werther seine führende Position: Leicht, fließend, wie beiläufig artikuliert und mit leicht nervig vibrierendem Klang strömt Beczalas Werther-Gesang dahin. Ein Singen voller Feuer, Leidenschaftlichkeit, tonschön und intensiv. Alfredo Kraus «atmete» die «Ossiade» vielleicht noch schwereloser, entmaterialisierter aus, aber Beczala befindet sich zweifellos auf dem Weg zum ...
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Vor gut dreizehn Jahren bot sie in der Pariser Opéra Bastille zum ersten Mal dem Publikum ihre bleich geschminkte Stirn: Robert Wilsons aufwändig-minimalistische und hochgradig stilisierte «Madama Butterfly». Eine Produktion, um die sich bald Häuser rund um den Globus reißen sollten. Bis dato wurde die Inszenierung des texanischen Bildtheatermagiers unter anderem...
Das Theater besitzt, besser: besaß manchmal auch eine prophetische Kraft, ein feines Sensorium für kommende Ereignisse. Prokofjews «Liebe zu den drei Orangen» darf insofern nicht nur als unterhaltsame Heiterkeit gesehen werden. Wenn der König, nachdem sein Sohn, der schwermütige Prinz, sich gegen ihn gestellt und ihn verlassen hat, einen Schuldigen sucht und diesen...
