Die Regeln des Spielmanns
Das Etikett des Wagner-Epigonen heftete ihm bereits die zeitgenössische Kritik ans Revers. Und ganz unlieb war Max von Schillings (1868-1933) diese Bezeichnung wohl nicht, verstand er sich selbst doch als ernsthaften Nachahmer – wenn nicht Nachfolger – des Bayreuther Hügelherrn. In seiner zweiten, 1899 uraufgeführten Oper «Der Pfeifertag», einem «Spielmannsscherz in drei Aufzügen» (und mit etlichen Längen), ist von Wagner jedoch nicht allzu viel zu spüren.
Schillings verwendet zwar Leitmotive, allerdings in sehr reduzierter Form, zuweilen sind es nur ein paar wiederkehrende Takte, die eher auf die Erzeugung von Stimmungen denn auf die Charakterisierung oder Wiedererkennbarkeit von Figuren abheben. Ein wirklicher Personalstil ist dem «Pfeifertag» nicht abzulauschen, große, teils zähflüssige Symphonik wechselt mit schönen, spätromantisch angelegten Kantilenen. Durchaus effektvoll ist der Einsatz der heute fast nie mehr zu hörenden Violotta, einer Tenor-Geige, die optisch einem kleinen Cello ähnelt.
Inhaltlich orientiert sich die Oper an den «Meistersingern», inklusive der szenisch-musikalischen Sängerschlacht auf einer festlichen Wiese. Im Zentrum steht Ruhmland, der vom reichen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Es war ein schwerelos-heiterer Opernabend. Hamburg hat den Versuch unternommen, Donizettis leicht angejahrte, liebenswürdig-altmodische «Regimentstochter» zu entstauben, ohne ihr Gewalt anzutun – und damit auf der ganzen Linie gewonnen. Die Handlung – ein unter Soldaten aufgewachsenes junges Mädchen soll re-integriert werden in die feine Gesellschaft – reißt...
Seit 1997 bietet das «Festival Amazonas de Ópera» jährlich ein mit Bedacht gemischtes Programm, darunter nicht nur das gängige Repertoire, sondern etwa im Vorjahr den in grandios konzentrierter Anstrengung gestemmten «Ring»-Zyklus, die erste brasilianische Gesamtaufführung (siehe OW 7/2005). Natürlich finden sich auch Werke einheimischer Komponisten, von Carlos...
Im niederschlesischen Wroclaw, zu dem man wieder Breslau sagen darf, ohne als Revanchist verdächtigt zu werden, steht ein luxuriös restauriertes Opernhaus, samtweich und goldglänzend. Aber weil sich die Handwerker auch nach der offiziellen Eröffnung noch ungebührlich viel Zeit lassen, weicht die Intendantin weiter aus. An den verrücktesten Orten hat sie schon...
