In die Länge gekürzt
Die Einschnitte gehen nicht allein auf den Regisseur zurück. Auch wenn Michael Thalheimer für seine Vorliebe bekannt ist, die ihm anvertrauten Werke mit der Schere zu stutzen. «Das war Kent Naganos Idee», betont Johannes Blum, der neue Chefdramaturg an der Hamburgischen Staatsoper. Tatsächlich lässt sich Hamburgs frisch gebackener Generalmusikdirektor im Programmheft zu Hector Berlioz’ «Troyens» mit den Worten zitieren, es sei «ermüdend und überhaupt kein ästhetischer und inhaltlicher Genuss, sieben Stunden dem doch sehr formalen französischen rezitativischen Gesang zu folgen».
Wie bitte? Sieben Stunden? Vor anderthalb Jahren hatte Thalheimer in einer Diskussionsrunde an der Berliner Staatsoper noch davon gesprochen, das «Stück von fünfeinhalb auf zwei Stunden zu kürzen», die Strichfassung werde Pacal Dusapin besorgen. Fünfeinhalb Stunden? Colin Davis dirigierte den Zweiteiler in seiner berühmten Aufnahme aus dem Jahr 1969 (Philipps) ungekürzt – und brauchte dafür, ohne je zu hetzen, exakt 3:59 Stunden. Zum Vergleich: James Levine, Meister getragener Tempi, brachte es an der Met 1983 (Deutsche Grammophon) auf vier Stunden, zehn Minuten, inklusive Applaus. Unerträgliche Längen?
Fragl ...
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Opernwelt November 2015
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Benno Schirrmeister
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