Wundersames Schattenspiel
Wes Geistes Kind «Atys» auch ist: In Kiel lässt die Zentralperspektive des Bühnenraums zumindest ahnen, warum gerade diese Tragédie lyrique von Jean-Baptiste Lully gern als opéra du roi bezeichnet wird. Alle Bodenlinien zielen letztlich auf König Ludwig XIV., der unsichtbar bleibt, sich hier einmal nicht als Sonnengott in Erinnerung bringt. Selbst Götter können Schuld auf sich laden, wenn sie von menschlichen Gefühlen übermannt werden – und nicht immer lässt sich ein Schicksal so leicht sublimieren wie das von Atys.
Ihn verwandelt die Göttin Cybèle am Ende in eine Pinie, um den Geliebten nicht völlig zu verlieren. Der hat sie zwar verschmäht und ihr die schöne Sangaride vorgezogen. Aber dass ihre Eifersucht Atys in den Tod treibt, wollte selbst sie nicht.
Lucinda Childs, die langjährige choreografische Mitarbeiterin von Robert Wilson, inszeniert die Oper, die 1987 zum 300. Todestag des Komponisten wiederentdeckt worden ist – und sie tut es, indem sie sich in das barocke Werk einlebt, ohne dabei ihre Zeitgenossenschaft zu verleugnen. Chor und Solisten kleidet Paris Mexis bereits im Prolog in ein gegenwärtiges Schwarz, allenfalls die angedeuteten Masken lassen noch etwas von den ...
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Opernwelt November 2014
Rubrik: Panorama, Seite 51
von Hartmut Regitz
Auch informierte Historiker hätten wohl nicht mit dem Interesse gerechnet, das der Ausbruch des Ersten Weltkriegs vor hundert Jahren in Deutschland – wo das mahnende Gedenken an den Zweiten eine viel größere Rolle spielt – bei Medien und Publikum auslöste: Die alten und neuen Bücher zum Thema stapeln sich, Fernsehreihen, Ausstellungen, ja selbst Comics pointieren...
Die Suche nach verborgenen Schätzen der Musikgeschichte führte Cecilia Bartoli dieses Mal nach Sankt Petersburg. Dass westeuropäische Musiker seit den 1730er-Jahren am Zarenhof tätig waren und Opern nach italienischem Modell aufführten, ist seit Langem bekannt. Gehört hat diese Musik bisher wohl kaum jemand, nicht zuletzt aufgrund der desolaten Quellenlage: Die...
Die elsässische Opéra national du Rhin bemüht sich regelmäßig um Ur- und Erstaufführungen – und eröffnete die neue Spielzeit mit Régis Campo (Jahrgang 1968) und seiner Novität «Quai ouest». Als Koproduzent ist das Staatstheater Nürnberg mit im Boot. Dort ist Campo in dieser Spielzeit auch composer in residence. Der Nürnberger GMD Marcus Bosch steuerte bei der...
