Musik als Offenbarung

Magdalena Zorn analysiert Stockhausens ungeliebte Wahlverwandschaft mit Wagner

Opernwelt - Logo

Spätestens seit Beethovens Ausspruch «Musik ist höhere Offenbarung als alle Weisheit und Philosophie» steht der Komponist über dem «Tonsetzer»: Er wird zum Stifter wahrer Kunstreligion, ja zum Demiurgen selbst. Schon Schumanns «Marsch der Davidsbündler gegen die Philister» zielte übers rein Ästhetische hinaus, noch seine freundlicheren «Musikalischen Haus- und Lebensregeln» sind nichts Geringeres als eine Anleitung zum «richtigen» Leben nicht nur in der Kunst.

Wagner verstand sich als Reformator, ja Revolutionär, sah sein «Kunstwerk der Zukunft» als soziales Programm: Oper wie Sinfonie hätten ebenso abgewirtschaftet wie die auf Besitz gegründete Gesellschaft: Altes muss durch Neues, «sein» Neues ersetzt werden. An kleinen Lösungen lag ihm nicht; dass sich die deutsche Rechte seiner bemächtigte, ist so wenig Zufall wie die These, dass Karlheinz Stockhausen ihm in seinem messianischen Drang und Durchsetzungsanspruch ähnele – auch wenn der Kölner Meister stets erklärte, mit dem Bayreuther nichts gemein zu haben.

Doch Stockhausens spätes Hauptwerk, der siebentägige «Licht»-Zyklus, hat die Fantasien einer geistigen Verwandtschaft immer wieder befeuert, oft genug polemisch: Größen-, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 31
von Gerhard R. Koch

Weitere Beiträge
Kopflos

Die Bilder sind nur allzu vertraut. Im Hintergrund der «Puritani», der letzten Oper Vincenzo Bellinis, tobt einer jener Religionskriege, von denen heute Tag für Tag Schreckensnachrichten um die Welt gehen. Andreas Homoki, der «I puritani» am Opernhaus Zürich auf die Bühne gesetzt hat, stellt die Parallele und damit die Aktualität des Stoffs scharf ins Licht. Zur...

Gruß von den Orkneys

Peter Maxwell Davies hat sich immer dafür eingesetzt, auch Amateuren und Kindern Zugang zur klassischen Musik zu verschaffen. Und er war fasziniert von den Mythen der schottischen Orkney-Inseln, wo er sich 1971 niederließ. In seiner letzten Oper fließen diese Interessen ineins. Die Story: Das Seeungeheuer Nuckleavee bedroht die Orkneys. Der Knabe Magnus tut sich...

Ruhig gestellt

Ein wenig muss man an die dekadente, mit Schmuck behängte Klytämnestra des Librettos denken, wenn man den Saal der Staatsoper Prag mit seiner Orgie goldüberzogener, spiegelglänzender Balkons betritt. In dem 1888 eröffneten Haus war die Dresdner Uraufführungsproduktion von 1909 schon ein Jahr später zu Gast, und nur ein Zerwürfnis des Intendanten Alfredo Neumann mit...