So weit, so fremd, so nah
Wenn heute jemand eine Neuaufnahme von Schuberts «Winterreise» wagt, sollte er gute Gründe haben. Handelt es sich doch um den wahrscheinlich meisteingespielten Liedzyklus; eine neue Aufnahme wirkt schnell so überflüssig wie ein Kropf, wenn sie nicht Ausnahmerang gewinnt. Der Tenor Daniel Behle wagt gar zwei Einspielungen in einem Album – und hat überzeugende Gründe dafür. Wobei man bei seiner «Version mit Klaviertrio» an Hans Zenders «Winterreise»-Palimpsest denken mag.
Zender nannte es eine «komponierte Interpretation», veränderte freilich den musikalischen Habitus des Zyklus, schrieb quasi einen strukturellen Kommentar und breitete den Klangteppich eines Kammerorchesters darüber.
Auch Daniel Behle hat dieses Palimpsest gesungen. Doch in seiner nun bei Sony erschienenen Bearbeitung für Gesang und Klaviertrio geht der Tenor (der auch Komposition studierte) andere Wege als Zender. Er zielt auf punktuelle Interventionen und eine interessante Rollenverteilung: Das Klavier bleibt grosso modo Mit-Erzähler, Violine und Cello weiten den Klangraum und unterstreichen gleichzeitig Motivverbindungen wie mit einem Marker, stellen die strukturelle Vernetzung des Zyklus dar. Außerdem lesen sie ...
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Opernwelt Februar 2015
Rubrik: CD des Monats, Seite 23
von Gerhard Persché
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