«Und jetzt noch die Reblaus»
1955 wurde im «Simplicissimus» eine berühmt gewordene Karikatur gedruckt. Darauf der österreichische Kanzler Julius Raab mit Zither, Wienerlieder schnulzend, umgeben von schniefenden Sowjets. Dazu Außenminister Figl als mephistophelischer Einflüsterer: «Und jetzt noch die ‹Reblaus›, und dann sans waach». Als Resultat dieser von Ethanol bestimmten Meetings, in denen die Österreicher ihre russischen Verhandlungspartner schlicht unter den Tisch gesoffen haben sollen, kam es zum Staatsvertrag, der die Besatzung Österreichs durch die Siegermächte beendete.
Das damals demonstrierte Einvernehmen manifestiert sich bis heute nicht nur im monströsen Denkmal der Roten Armee auf dem Wiener Schwarzenbergplatz, sondern im Interesse russischer Oligarchen an der österreichischen Wirtschaft. Nicht zu vergessen Anna Netrebko, die sich vor Kurzem ja um die österreichische Staatsbürgerschaft bewarb. Auch ihr Entdecker Valery Gergiev findet sich häufig ein, am Pult der Wiener Philharmoniker oder mit seinem St. Petersburger Mariinsky-Ensemble. Diesmal trug er mit Letzterem im Theater an der Wien zu russisch-wienerischen Opernwochen bei.
Deren Höhepunkt war freilich die Premiere von Tschaikowskys ...
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Der russische Komponist Wladimir Deschewow – er lebte von 1889 bis 1955 – ist hierzulande nicht einmal dem Namen nach bekannt. Deschewow gehörte der «Assoziation für zeitgenössische Musik» an, der sich in den 1920er Jahren in Petrograd, dem späteren Leningrad und heutigen St. Petersburg, gebildet hatte. Dort rezipierte man die westliche Avantgarde, vor allem den...
Hier geht es ums Ganze. «Kunst ist das größte, menschlichste und erhabenste politische Spiel», so steht es auf dem Transparent, das Hans Sachs während des Vorspiels auf der karg ausgestatteten Bühne installiert. Der Spruch wirkt zwar plakativ und pauschal, aber hier, in einer schleichend ausdünnenden Kulturlandschaft, hat er seinen Sinn. Warum sollte man in Halle...
Ich bin sicher», so Hector Berlioz 1861 nach Abschluss der Komposition seiner monumentalen Oper «Les Troyens», «dass ich ein großes Werk geschaffen habe, größer und erhabener als alles, was bis heute geschrieben wurde.» Die Mit- und Nachwelt war anderer Meinung, und so vergingen nach dem Tod von Berlioz genau hundert Jahre, bis «Die Trojaner» endlich ungekürzt zur...
