Dido, Calisto und andere Lautfiguren

Assoziative Verdichtung: Miniopern des Berliner Komponisten Michael Hirsch

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Ein dumpfes Grollen verdrängt die Stille. Leise donnernd, von weither, diffus. Dann zucken akustische Blitze, setzen den grauen Schallraum für Sekundenbruchteile in grelles Licht – scharf angerissene Tonkürzel der Streicher- und Bläser; ein Akkordeon wirft sich dazwischen, das Schlagwerk knallt. Didos Drama nimmt seinen Lauf. Sie singt, stammelt, tobt, deklamiert – und spricht nur für sich. Wie Aeneas, der ihr bald den Rücken kehren wird.

Die Sopranistin Claudia Neubert und der Bariton Daniel Ochoa sind gefangen in Monologen, die sich verhaken, überlagern, mischen und doch nie treffen. Sie führen ein arioses (Schein-)Gespräch, das bereits abgebrochen ist, bevor es ausbricht. «Didone abbandonata»: Auf 13 Minuten, drei Episoden und zwei Solisten hat Michael Hirsch das erste Libretto Metastasios aus dem Jahr 1724 heruntergebrochen. Einen Stoff nach dem Geschmack des Seria-Zeitalters – unter anderen haben ihn Hasse, Cavalli, Galuppi und Jommelli vertont. Von der Handlung und von den Figuren sind in Hirschs 2003 entstandener Mini-Oper allein die emotionalen Fieberkurven des zentralen Paares geblieben. Anläufe, Abstürze, Ausschläge – bis zur fassungslosen, von der Bassklarinette ...

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Opernwelt April 2013
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 22
von Albrecht Thiemann

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