Aus dem Kerker
Einst träumte Perm davon, ein Zentrum der zeitgenössischen Kunst zu werden. Hoffte gar, irgendwann den Titel «Europäische Kulturhauptstadt» zu erringen. Doch das Projekt scheiterte. Heute wirkt selbst der ehemalige Flussbahnhof, in dem das Museum für Zeitgenössische Kunst untergebracht ist, heruntergekommen.
Aber es gibt immer noch das Diaghilev-Festival. 2012 übernahm Teodor Currentzis die Leitung der 2003 vom damaligen künstlerischen Direktor der Permer Oper, Georgij Issaakjan, gegründeten Festspiele.
Currentzis’ Charisma äußert sich nicht nur am Pult – ihm ist es auch gelungen, der ambitionierten Großstadt wieder kreative Energie zu geben.
Im diesjährigen Programm brillierten die Barockensembles Graindelavoix und Le Poème Harmonique, es gab Lieder- und Klavierabende, sinfonische Konzerte, zeitgenössischen Tanz, Vorträge und Round Tables. Zur Eröffnung stand Verdis «Traviata» in der Linzer Inszenierung von Robert Wilson (siehe OW 11/2015) an. Currentzis ließ der Musik nicht weniger Sorgfalt angedeihen als der Regisseur der Szene, er spitzte Abgründe und Erhabenes, Glanz und Vulgäres gleichermaßen zu. Als Violetta zeichnete sich – vokal wie darstellerisch – Nadeschda Pawlowa ...
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Opernwelt August 2016
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Alexej Parin
Ein Montag im Juni. Der Zuschauerraum der Münchner Kammerspiele liegt im Halbdunkel, in Reihe 8 sitzt David Marton, in T-Shirt, Jeans und Turnschuhen, und reibt sich die Augen. In wenigen Minuten beginnen die Endproben zu «Figaros Hochzeit», die Zeit rast, fünf Tage bleiben bis zur Premiere – und Marton kämpft gegen ein Problem, das nur die wenigsten Regisseure...
Herr Gnann, ist das Korrepetieren eine gute Schule für Dirigenten?
Für mich auf jeden Fall. Ich komme vom Klavier. An diesem Instrument kann man die Architektur einer Partitur ziemlich gut erfassen. Als Dirigent fühle ich mich wohler, wenn ich die Töne selbst in der Hand hatte, bevor ich vor das Orchester trete. Es geht dabei nicht um eine perfekte Wiedergabe,...
Lediglich Berlin und Sachsen geben jährlich, gemessen am Gesamthaushalt, mehr Geld für Kultur aus als Thüringen. Und trotzdem reichen die knapp 300 Millionen Euro, die Land und Kommunen in diesem Bereich investierten (neuere Zahlen liegen nicht vor), vorne und hinten nicht. Weil das kulturelle Erbe dieser historisch von Kleinstaaterei und Residenzkultur geprägten...
