Feuchtgebiete
Wie der schlierige Bart eines Riesen streichen die Wolken über den eiszeitlich rundgeschliffenen Fels. 200 Regentage im Jahr zählt die Statistik für Bergen – heute ist einer davon. Das Wasser tropft nicht, es klatscht. Umso geisterhafter die Blüten der Apfelbäume, der Tulpen. Pralles Rot, ein Ausrufezeichen im feuchten Einheitsgrau. Pocht die Sonne tagsüber doch für eine Stunde auf ihr Recht, verzaubert sie Blätter und Gesichter, lässt Trolle auf dem Wasser tanzen.
Leise Sensation, Augenblicke flüchtigen Glücks, viel intensiver und dankbarer erlebt als im Süden, wo sie sich verschwenderisch ergießt.
Ausgerechnet hier, wo die Natur mit mächtigen Fingern ins Leben eingreift, wo Nordkap und Arktis schon zu ahnen sind, existiert seit 250 Jahren ein philharmonisches Orchester. 1763 rebellierten Bergens Fischer gegen die dänische Herrschaft, der König schickte eine Kommission – und die brauchte Musik, also wurde ein Orchester gegründet. Dass es nie abgewickelt wurde, erklärt Orchesterdirektor Bernt E. Bauge mit dem weltoffenen Charakter der Hansestadt Bergen. Schon seit 1815 seien die Partituren von 100 Symphonien, darunter von Beethoven und Haydn, in den Archiven nachweisbar. Das ...
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Opernwelt Juli 2015
Rubrik: Magazin, Seite 73
von Udo Badelt
Was für ein Leben! Eine Kindheit und Jugend zwischen Paris, Berlin und Riga. Sorglos, arglos, weltoffen, der Zukunft zugewandt. Der frühe, unstillbare Bildungshunger des Mädchens, das drei «Mutter»-Sprachen beherrscht – Französisch, Deutsch und Russisch. Der großzügige Vater, ein Geistesmensch, der als Wirtschaftsanwalt viel Geld verdient. Die schöne Mutter, von...
Einem patriotischen Polen kämen keine Bedenken, Stanislaw Moniuszko an den Größten seiner Zeit zu messen und ihn als polnischen Verdi zu bezeichnen. Dabei hat den nur sechs Jahre jüngeren Moniuszko eine ähnliche politische Situation geprägt wie den italienischen Kollegen. Das Kongress-Polen von 1815 war ein schwacher und abhängiger Staat, Erhebungen 1830 und 1846...
Aribert Reimanns «Lear» war ursprünglich für die Hamburgische Staatsoper gedacht (vom damaligen Intendanten August Everding in Auftrag gegeben). Es dauerte mehr als dreißig Jahre, bis das weltweit erfolgreiche Stück dort endlich ankam. Die szenisch von Karoline Gruber und musikalisch von Simone Young verantwortete Aufführung wurde in «Opernwelt» durch Jürgen...
