Cenerentola und ein promigeiler Österreicher
Eigentlich ist auf den ersten beiden Seiten schon alles gesagt. Wagners «autoritär-antidemokratisches, rassistisches und frauenverachtendes Erbe», sei «anachronistisch, inhuman und antieuropäisch: ein strahlender Giftschrank aus der Vergangenheit, den es verantwortungsvoll zu entsorgen gilt». Gottfried Wagner, Jahrgang 1947, Sohn Wolfgang Wagners aus erster Ehe und somit den Urenkeln zuzurechnen, stellt diese Diagnose und will die Entsorgung durch sein neues Buch gleich mit erledigen. 270 Seiten lang drischt er auf Richard Wagner ein, dann auf die Festspiele und deren Verlauf.
Dabei behauptet er viel und begründet wenig. Seine autobiografische Abrechnung mit der Familie 1997 («Wer nicht mit dem Wolf heult») konnte man – bei einigem guten Willen – noch mit Betroffenheit goutieren: Da wütete einer gegen die eigenen Wurzeln, schrie nach dem Vater, suchte sich selbst. Nun, wo sich Gottfried Wagner als Historiker gibt, wird die Sache vollends ungenießbar. Wagners Leben ist in Kapitel gegliedert, die Überschriften tragen wie «Der Dilettant und Scharlatan», «Der Karrierist und Intrigant» oder «Der Selbstvergötterer».
Gottfried Wagner schafft weder eine klare Materialbasis, noch ...
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Opernwelt Juli 2013
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 28
von Stephan Mösch
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