Mentales Nichts
Soll es ein Wald sein, dichtes Geäst, durchsetzt von Lichtpunkten? Oder doch eine Metropole aus der Vogelperspektive? Oder einfach ein Haufen Geröll? Schimmert plötzlich ein bleiches Riesengesicht hervor? Schwer zu sagen, schwer zu sehen, was da im ersten Akt hinter Mimes metallener Baukastenwerkstatt flimmert. Denken kann man sich viel, es bringt aber wenig. Denn mit Deutung haben die Videos nichts zu tun. Wie ja dieser ganze «Ring» sich zu keiner Deutung aufraffen kann.
Er bleibt beim «Siegfried», was er schon beim «Rheingold» war: ein mentales Nichts, dessen szenischer Leerlauf durch ständig im Fluss gehaltene Pixelbilder bloß verstärkt wird. Nettes 3-D-Design, auf das eine ambitionierte Hotel-Lounge stolz sein könnte. Manchmal ähnelt es aber auch nur einem Bildschirmschoner.
Mit Wagners finsterer Weltuntergangsparabel und ihrem Anspruch hat es jedenfalls nichts zu tun. Mit einem intermedialen Ansatz auch nicht. In ein paar Jahren wird man bloß noch lächeln über diese Art, die Bühne mit digitalen Mustern zu dekorieren. Was da in maßloser Selbstüberschätzung als «‹Ring› des 21. Jahrhunderts» angepriesen wird, ist schon jetzt die szenische Nullnummer des bevorstehenden ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt November 2012
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Stephan Mösch
Musiktheater und Politik – ein großes Thema auf weitem Handlungsfeld, von Monteverdi und Händel bis Nono und Rihm. Das politische und soziale Engagement des deutschen Komponisten Hans Werner Henze entlud sich in «Handlungen für Musik», wie er sein Antikriegsdrama «We come to the River» auf ein Libretto des englischen Dramatikers Edward Bond nannte. Uraufgeführt...
Jede Köchin muss in der Lage sein, die Staatsmacht auszuüben», lässt sich Lenin im Programmheft zitieren. Bevor das allerdings geschehen kann, gilt es erst einmal Tabula rasa zu machen in den eigenen vier Wänden. Von denen kann in der Oper «Wir gratulieren» von Mieczyslaw Weinberg zwar nicht die Rede sein; zwei Akte lang spielt sie in der Küche eines...
Impressum
53. Jahrgang Nr. 11
Opernwelt wird herausgegeben
vom Friedrich Berlin Verlag
ISSN 0030-3690
Best.-Nr. 752248
Redaktion Opernwelt
Knesebeckstraße 59-61 | 10719 Berlin
Tel.: +49(0)30/25 44 95 0
Fax: +49(0)30/25 44 95 12
E-Mail: redaktion@opernwelt.de
www.opernwelt.de
Redaktionsschluss dieser Ausgabe war
der 11.10.2012.
Redaktion:
Stephan Mösch
Albrecht...
