Frisch wie am ersten Tag
Was eine Hypothese ist, hat wohl selten einer so schlüssig definiert wie Heinz Meier als Hoppenstedt in einem Sketch Loriots. «Hier wäre die Mitte gewesen ... wäre!», giftet er, nachdem ihm sein Duz-Feind Pröhl zwei Drittel des Kosakenzipfels weggegessen hat. Das hypothetische «Was wäre, wenn» ist ja auch das Um und Auf der Kunst – ja, es scheint, pauschal gesprochen, diese vom Kunsthandwerk zu unterscheiden. Während der pragmatische Artisan sich mit dem Ist-Zustand beschäftigt und diesen in der Regel zu beschönigen versucht, zielt Kunst oft aufs Unmögliche, Paradoxe, Hybride.
Etwa auf die Frage nach dem Sinn einer Existenz ohne Verfallsdatum, aufgerollt am Schicksal der E. M. (Emilia Marty alias Eugenia Montez alias Ekaterina Myshkina alias Elian McGregor alias Elsa Müller recte Elena Makropulos), die es schaffte, sich die eiserne Tür des Gewesenen 337 Jahre lang offen zu halten. Es ist der alte Menschheitstraum vom ewigen Leben, zu Beginn vielleicht spritzig wie Champagner, zuletzt schal wie abgestandenes Bier. Die Protagonistin ist ein weiblicher Ahasverus, schön, zynisch, monströs. In seiner Inszenierung von «Die Sache Makropulos» in Bratislava stellt Peter Konwitschny diese ...
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Opernwelt Januar 2016
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Gerhard Persché
Zum 218. Geburtstag Gaetano Donizettis beschenkte seine Heimatstadt Bergamo die Bürger sowie Fans aus aller Welt mit einer Besonderheit: Das nach dem Komponisten benannte Festival und Theater brachten die Originalversion von «Anna Bolena» auf die Bühne, unter Verwendung einer demnächst erscheinenden kritischen Neuedition. Das ehrgeizige Ziel: eine möglichst genaue...
Nimmt man Charles Gounod beim Wort, war für die französischen Sänger die Klarheit der Aussprache wichtiger als die Qualität des Tons. «Die Aussprache muss klar, sauber, distinkt und exakt sein. Das bedeutet, dass sie dem Ohr in keinem Augenblick irgendeine Ungewissheit betreffs des ausgesprochenen Wortes bereitet. Sie muss ausdrucksvoll sein, und das meint, dass...
Mit Ihrer hochgelobten Lied-CD haben Sie viele überrascht. War das Projekt als Fingerzeig gedacht, nach dem Motto: Hallo, ich kann auch anderes?
Ein bisschen war das so. Als dramatischer Mezzo ist es nicht leicht, mit der kleinen Form Aufmerksamkeit zu erregen, weil man abgestempelt ist. Dabei bin ich eigentlich mit dem Lied groß geworden: Als mein Pianist Markus...
