Rocky Magic Picture Show
«L’amore metamòrfosa l’uomo in una bestia» – «Die Liebe verwandelt den Menschen in eine Bestie»: Falstaffs Selbsterkenntnis aus dem dritten Akt könnte ein Motto für die Deutung sein, mit der sich Lukas Hemleb an Boitos und Verdis schwarzer Komödie versucht hat. Ein einziges Element steht auf Alexander Polzins Bühne: ein haushoher, erratischer Felsbrocken, dessen verschiedene Öffnungen nur zum Teil das Resultat zivilisatorischer Eingriffe zu sein scheinen, der am Ende aber auch Assoziationen zur «großen Eiche Herne» erlaubt.
So bleibt viel Raum für die selbstverliebten, aber auch angsterfüllten Bewegungen der mit ihren unterdrückten Wünschen hadernden Figuren – Andrea Schmidt-Futterer hat ihnen ausdrucksstarke Kostüme auf den Leib geschneidert, die nicht zuletzt jedem der «Lustigen Weiber von Windsor» einen eigenen Charakter geben.
Dennoch findet die Inszenierung nur selten zu zwingenden Bildern. Bei aller tänzerischen Eleganz der Bewegungen bleibt zu vieles vordergründig-komödiantisch. Wenn in der Exorzismus-Szene des letzten Bildes der Firnis der Zivilisation abblättert, fokussiert Hemleb auf eine schrille «Rocky Magic Picture Show» um den als Clown typisierten Falstaff. Immer ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt August 2016
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Anselm Gerhard
Peter Maxwell Davies hat sich immer dafür eingesetzt, auch Amateuren und Kindern Zugang zur klassischen Musik zu verschaffen. Und er war fasziniert von den Mythen der schottischen Orkney-Inseln, wo er sich 1971 niederließ. In seiner letzten Oper fließen diese Interessen ineins. Die Story: Das Seeungeheuer Nuckleavee bedroht die Orkneys. Der Knabe Magnus tut sich...
Bonjour Frankreich! Ein besseres Motto lässt sich für die Musikfestspiele Potsdam Sanssouci kaum denken. 16 Tage und Nächte lang erinnerten zahlreiche Künstler nicht nur an den Geist einer Verständigung, für den repräsentativ der intellektuelle Diskurs von Friedrich II. und Voltaire gestanden hat, sondern machten einem interessierten Publikum noch einmal all das...
Elisabeth Stöppler hat «Dialogues des Carmélites», eine der beklemmendsten Opern der klassischen Moderne, nicht auf den Kopf gestellt wie Dmitri Tcherniakov in seiner umstrittenen, von den Poulenc-Erben inkriminierten Münchner Inszenierung. Aber auch sie rückt das Stück um das historisch verbürgte Martyrium der 16 Karmelitinnen von Compiègne während der...
