Die letzte Assoluta
Mit Sängerbiografien ist es so eine Sache. Zumal, wenn die beglückten Hauptpersonen noch unter uns weilen und munter auf dem hart umkämpften Stimmenmarkt mitmischen. Wer viel zu verlieren hat, neigt zur Verschwiegenheit. Wer viel zu gewinnen hofft, zur Aufschneiderei. Erfahrungen und Ereignisse, Fabeln und Fakten werden allenfalls gefiltert ausgereicht. Auf dass sie der Beförderung der eigenen Karriere dienen. So lesen sich nicht wenige Bücher über prominente Gesangsartisten wie Schaufensterprosa, von PR-Erzeugnissen kaum zu unterscheiden. Viel Wind, wenig Substanz.
Von solchen Rosarot-Produkten hebt sich Markus Thiels Buch über die Belcanto-Königin Edita Gruberova wohltuend ab. Das liegt zunächst einmal an Thiels Haltung zum Gegenstand: Der Autor macht zwar kein Hehl aus seiner Bewunderung für die Lebensleistung einer Sängerin, die mit den Heroinen Bellinis, Donizettis und (weniger) Rossinis seit mehr als drei Jahrzehnten das Publikum in Atem hält. Doch kommt die Reverenz an «die letzte Assoluta unserer Zeit» nicht im anekdotischen Fan-Jargon daher, sondern in einem sensibel-sachlichen Ton, der auf viele vertraute Gespräche schließen lässt. Bei aller Offenheit bleibt diese ...
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Opernwelt September/Oktober 2012
Rubrik: Medien, Bücher, Seite 47
von Albrecht Thiemann
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Seit 1600 sind an die zehntausend Opern geschrieben worden – eine Riesenpartitur, die beständig wächst. Als «Gesamtoper» hat Alexander Kluge diesen Schatz einmal bezeichnet. Im Grand Théâtre du Provence ist er nun um ein weiteres Stück bereichert worden, um ein spannendes dazu: George Benjamins «Written on Skin», die (nach der kleinformatigen...
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