Finale mit Verdi und Monteverdi
Als Nicolas Joël für die Saison 2009/10 an die Spitze der Opéra National de Paris berufen wurde, waren die Lager gespalten. Die einen ersehnten Erlösung vom waghalsigen Modernisierungseifer der Ära Mortier (2004-2009), die anderen befürchteten einen Rückschritt in die inszenatorische Steinzeit. Auch wenn weder Erlösung noch Steinzeit eintraten, zeitigt die nun auslaufende Pariser Amtsperiode von Nicolas Joël doch die Fortsetzung einer künstlerischen Stagnation, die seit der Eröffnung der Opéra Bastille im Jahre 1990 nicht dauerhaft durchbrochen worden ist.
Die zwei letzten Premieren unter Joël im Juni 2014 stehen stellvertretend für diese zwiespältige Bilanz.
«La traviata» in der Inszenierung des Filmregisseurs Benoît Jacquot besticht durch edle Einfalt, äußerst sparsames Décor und kluge Raumnutzung. Nur wenige Elemente beherrschen die Bühne: ein Himmelbett im ersten Akt, im zweiten ein Baum mit Sitzgelegenheit sowie eine große bourgeoise Freitreppe, im Schlussakt ein klappriges Bett für Violetta Valéry. Von einer schlüssigen Personenführung in dieser Dekoration kann freilich kaum die Rede sein: Diese überlässt der Regisseur den Eingebungen der Sänger. Eine derartige mise en scène ...
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Opernwelt August 2014
Rubrik: Magazin, Seite 78
von Hermann Grampp
Katzen, überall diese penetranten, asiatischen Katzen. Manche kleiner, manche größer. Die batteriebetriebenen Kitschtierchen blinken aus dem Gerümpel hervor, das sich auf der Bühne türmt: Jede Menge Kochgeschirr, Stühle, Tische, Hausrat aller Art, wie in der Wohnung eines Messies, der einen Teil der armseligen Habe auch in Kunststoffbeuteln verschnürt....
Wir feiern, was uns kostbar ist. Und kostbar waren den Fürsten des Nordens die goldenen Äpfel des Südens, die Orangen, für deren Bäume sie große Orangerien bauten, um sie im Winter vor Frost zu schützen. Die Musikfestspiele Potsdam-Sanssouci, geleitet von Andrea Palent, hatten etwas zu feiern: ihr 60-jähriges Jubiläum. Und da das Thema dieser Saison ohnehin...
Seltsam. Auf ihrer Wagner-CD ist Anne Schwanewilms solistisch siebenmal zu hören: mit der Hallen-Arie der Elisabeth, dem Schlussgesang der Isolde und den Wesendonck-Liedern; diese Tracks dauern 32 Minuten und 25 Sekunden. Das Radio-Sinfonieorchester des ORF unter Cornelius Meister «füllt» die CD auf mit 33 Minuten und sieben Sekunden orchestraler Musik: der...
