Die Pranke des jungen Löwen
Verstehen wir das Mittelalter? Und verstehen wir die Camorra? Mario Martones Inszenierung von Verdis Opernerstling wirft interessante Fragen auf. Das Werk verdient erhöhte Aufmerksamkeit – gerade weil einem Junggenie das Gesellenstück nicht immer gleich zum Beinahemeisterwerk gerät.
Die Entstehungsgeschichte von «Oberto conte di San Bonifacio» erzählt mehr von der damaligen Aufführungspraxis als von der späteren Ästhetik und Dramaturgie Verdis.
Über das Quellenpuzzle ist sich die Musikologie inzwischen weitgehend einig: Anfang 1839, als Verdi die Leitung der Musikschule in Busseto aufgegeben hatte, ging er nach Mailand, wo er hoffte, seine Oper «Rocester» in der Società Filarmonica aufführen zu lassen. Dann erkrankte der Star-Tenor, das Projekt scheiterte. Impresario Merelli machte Verdi den Vorschlag, die Oper in der regulären Saison der Scala aufzuführen. «Rocester» wandelte sich zum «Oberto». Temistocle Solera überarbeitete das Libretto. Nicht dass daraus etwas viel Besseres wurde. Hundert Schlüsselwörter – amore, onore, dolore, cuore, traditore, fede, perdono, morire, vendetta – rotieren um stereotype Opernmotive: Die vom Grafen Riccardo Salinguerra verführte, sitzengelassene ...
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Opernwelt Juni 2013
Rubrik: Panorama, Seite 51
von Dietmar Polaczek
«Kuda, kudà...» Wohin, wohin man schaut: Eine «Eugen Onegin»-Welle schwappt durch die Republik. Nicht weniger als zehn Neuinszenierungen verzeichnet das Internetportal Operabase im Wagner-Verdi-Jahr, die Hälfte davon in den Monaten März und April. Rechnet man das kurz hinter der vorpommerschen Grenze liegende Stettin dazu, sind es elf. Verglichen mit den rund...
Die Ära der romantischen Belcanto-Oper hat Konjunktur. Immer neue abgelegene Werke kommen ans Licht, die Lücken füllen, das bereits bekannte Repertoire aber nicht zwingend aufwerten – das gilt jedenfalls für drei aktuelle Veröffentlichungen von Live-Aufnahmen der jüngsten Zeit.
Gioacchino Rossini konnte mit seiner für Rom komponierten Opera seria «Adelaide di...
Mieczyslaw Weinberg
war die Entdeckung der Bregenzer Festspiele 2010. Ein vergessener jüdischer Komponist, der Opfer mehrerer Regime geworden ist. Nun wird seine «Passagierin» in Karlsruhe nachgespielt. Und in Mannheim kommt es zu einer regelrechten Weinberg-Uraufführung.
Cecilia Bartoli
hat die überaus fordernde Rolle der Norma zunächst konzertant in Dortmund...
