Visconti lässt grüßen
Mit ihren knapp zwei Stunden Musik scheint sich die Oper «Senso» eher am Format eines Liebesfilms zu orientieren als an dem einer festlichen Grand Opera, wie man sie anlässlich der Feierlichkeiten zum 150-jährigen Jubiläum der italienischen Einheit erwarten würde. Episch ist sie also nicht, zumal die Handlung auf Camillo Boitos 1883 veröffentlichtem gleichnamigen Kurzroman beruht.
Die Nähe zum Film freilich ist offenkundig: Komponist Marco Tutino und sein Librettist Giuseppe di Leva konnten der Versuchung nicht widerstehen, sich an Luchino Viscontis meisterhaftem Opus von 1954 zu orientieren. Im Grunde verschmilzt die Oper Romanvorlage und Film zu einer Art Palimpsest, in dem patriotische Gefühlsregungen italienischen Schankmädchen vorbehalten sind – und Roberto Donà, einem naiven jungen Adelsspross. Derweil legt der alte Graf Serpieri standesgemäßen Opportunismus an den Tag und arrangiert sich mit Veränderungen, denen er ohnehin nicht entkommen kann.
Jenseits von Viscontis Bearbeitung des hochdramatischen Loyalitätssujets (dem zentralen Konflikt der meisten Seria-Handlungen) folgt die Oper Boitos zynischem Blickwinkel, der sich auf die sexuellen Gelüste der Gräfin Livia Serpieri ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt März 2011
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Carlo Vitali
ARD
13.3. – 16.00 Uhr
Hochleistungssport Operngesang.
Film von Thomas Voigt und Wolfgang Wunderlich. Mit Jonas Kaufmann, Anja Harteros, Piotr Beczala, Daniel Behle, Christa Ludwig, Edda Moser, Jürgen Kesting u. a.
ARTE
1.3. – 6.00 Uhr
Fauré: Requiem.
La Chambre philharmonique, Les éléments, Emmanuel Krivine. Solisten: Sophie Karthäuser und Thomas Bauer.
2./8./14.3. – 6.00...
Der Olymp liegt hinter einer Flügeltür. Oben auf der Galerie, zu der eine hochherrschaftliche Treppe führt, die das holzvertäfelte Vestibül symmetrisch in zwei Hälften teilt. Links und rechts neben der Tür hängen die Ahnen an der Wand. In Öl, ordentlich gerahmt. So entrückt wie der meist abwesende Patriarch (Jupiter), der, vom Treiben unten im Foyer hermetisch...
In Oldenburg hat man schon immer ein besonderes Gespür für die musikalische Moderne bewiesen. Legendär ist die Aufführung des Berg’schen «Wozzeck» in der Spielzeit 1928/29, die dem vielfach angefeindeten Werk den Weg in die sogenannte Provinz eröffnete. Schon einige Jahre vorher hatte das Oldenburger Landestheater, wie es damals hieß, eine gute Nase für...
