Wagner: Der fliegende Holländer

Meiningen

Opernwelt - Logo

Gottfried Pilz verzichtet auf jegliche Örtlichkeit und zeigt Wagners romantische Gespensteroper als  Seelendrama zweier Individuen, die sich aus der Chormasse herauskristallisieren. Auf weißer Bühne, vor weißem Rundhorizont, agieren Menschen in weißer Krankenhauskleidung. Assoziationen an geschlossene Psychiatrie, aber auch an antikes Chordrama stellen sich ein. Senta und der Holländer werden als narzisstisch gestörte Persönlichkeiten vorgeführt.

Symbol des Nar­ziss­mus ist ein großer, goldener, leerer Bilderrahmen, der sich beim Auftritt des Holländers vom Bühnenhimmel herabsenkt. Am Ende überwindet sich der Holländer und verzichtet auf Sentas Untergang, Senta ihrerseits verzichtet auf ihr Leben zugunsten seiner Erlösung. Der narzisstische Teufelskreis ist damit unterbrochen, das Spiel mit dem Bilderrahmen hat ein Ende, die Emanzipation des Weibes wie des Mannes scheint geglückt. Der Goldrahmen entschwebt in den Bühnenhimmel. Gottfried Pilz zeigt, dass Vereinigung schon im Diesseits mög­lich ist. Er weiß seine Lesart spannend umzusetzen. Es gelingt ihm, mit einem Minimum an szenischer Konkretheit ein Maximum an Bewegung und Personenfüh­rung, Lichtregie und Farbnuancen auszuloten. ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2007
Rubrik: Kurz Berichtet, Seite 57
von Dieter David Scholz

Vergriffen
Weitere Beiträge
An der Oberfläche

«Wir fragen uns heute, wie es möglich sein kann, anders zu arbeiten.» Mariame Clément, die junge franco-iranische Regisseurin, die seit ihren Debüts in Biel, Lausanne, Bern, Lübeck und Straßburg mit einer Überfülle an Einfällen, kleinen Geschichten und feinen Assoziationen auffällt, hat in ihrer kurzen Karriere bisher meist mit der Ausstatterin Julia Hansen...

Rimsky-Korsakow: Der goldene Hahn

Rimsky-Korsakows «Goldener Hahn» wollte in Dortmund nicht so recht die Flügel schlagen. Die «unglaubliche Geschichte» – so der Untertitel der Oper – fußt auf Alexander Puschkins gleichnamiger Verserzählung und ist, wie diese, Märchen und Groteske in einem. Ungleich schärfer noch als die Vorlage ist Rimskys Oper aber auch eine politische Satire auf die...

Raritäten

Wie viele Zeitläufte des zwanzigsten Jahrhunderts dieses Leben einschloss, kann man aus den Daten ersehen: Ernst Krenek wurde im Jahr 1900 geboren und starb 1991. Noch erstaunlicher als die schiere Dauer seines Wirkens ist, dass Krenek aus der sich ständig umwälzenden (deutschen) Geschichte hellwach Konsequenzen zog, ohne sich als avancierter, zeitkritischer...