Alter Schwede
Solche Entdeckungen müssen auf allerhöchstem Niveau präsentiert werden», sagt Alexandre Dratwicki, «sonst wird das Potenzial der Stücke nicht sichtbar.» Als Künstlerischer Leiter der Stiftung «Palazzetto Bru Zane» organisiert Dratwicki seit 2009 ein weltweit einmaliges Revitalisierungsprogramm für die französische Musik der Romantik. Also hat er keinen Geringeren als Marc Minkowski um die moderne Erstaufführung von Pierre-Louis Dietschs «Le Vaisseau fantôme ou Le Maudit des mers» gebeten.
Grundlage des 1842 in Paris herausgekommenen Zweiakters ist Richard Wagners «Fliegender Holländer». Aus Geldnot hatte der Deutsche seine Prosaskizze zu dem Stück an den Direktor der Opéra verkauft, der den Stoff dann vom Librettisten Paul Foucher auf konventionellste Schaueropernart zurichten ließ: Das «Vaisseau fantôme» spielt auf den Shetlandinseln, der Holländer ist ein Schwede namens Troil, sein Konkurrent heißt Magnus und wird Mönch, nachdem Minna (Senta) ihn abgewiesen hat. In seiner neuen Funktion soll er die beiden trauen, wobei der Verdammte der Meere versehentlich seinen Arm entblößt – und die Wunde sichtbar wird, die ihn als Mörder seines ehemaligen Steuermanns überführt. Der wiederum ...
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Opernwelt Juli 2013
Rubrik: Magazin, Seite 71
von Frederik Hanssen
Nach Walhalls Feuertod stehen, wie von Zauberhand herbeigeschafft, Gestecke auf der leeren Bühne. Und aus dem Unterboden fährt ein Wagner-Konterfei (frei nach Lenbach) auf, gerahmt, filmplakatgroß, mit Barett, Samt und Seide. Das Publikum ist im siebten Himmel. Stehende Ovationen für den Jubilar. Erst dann treten Solisten, Dirigent und Produktionsteam ins...
Auratisch gedeckte Farben, eine suggestive Sepia-Tönung von unnachahmlicher Konsonanz, dazu hinreißend elegische Bitterstoffe besaß die Stimme der englischen Mezzo-Sopranistin und Altistin Janet Baker. In den 1960er bis 80er-Jahren kam ihr eine beherrschende Stellung in der britischen Gesangsszene zu. Die Opernbühne eroberte sie mit Rollen von Purcells Dido bis zu...
Zürichs immer noch neuer Intendant Andreas Homoki hat rasch Fuß gefasst. Allmählich beginnt er auch seine Berliner Risikobereitschaft zu zeigen. Für den «Don Giovanni» holte er Sebastian Baumgarten. Mit diesem Mut fing er sich allerdings einen gewaltigen Buh-Chor ein. Und das, obwohl der Regisseur sich nicht allzu weit vom Werk entfernte. Barbara Ehnes baute ihm...
