Münchner Barbiere
Eine Marktlücke füllt der neue «Barbier», den Sony in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Rundfunk produziert hat, sicher nicht, denn es gibt von dieser populären Buffa mehr als genug erstklassige Aufnahmen. Das geschäftliche Kalkül zielte wohl auf die Besetzung der Rosina mit dem bulgarischen Weltstar Vesselina Kasarova, die in dieser Partie anderweitig noch nicht verewigt ist.
Doch wie es der böse Zufall will, erkrankte die Sängerin vor der konzertanten Aufführung und musste – «in letzter Minute», wie es heißt – durch die lettische Aufsteigerin Elina Garanca ersetzt werden, die ihre Chance zu nutzen wusste. Ihr entspannter, müheloser Gesang bereitet Vergnügen, doch im Vortrag bleibt sie recht betulich, ihrer Rosina fehlt es entschieden an Mutterwitz und Keckheit.
Und damit sind wir beim Problem der gesamten Produktion. Miguel Gómez-Mártinez dirigiert das Münchner Rundfunkorchester zwar mit federnder Eleganz, sicherem musikalischen Geschmack und jeder Schlamperei abhold, aber er versteht es nicht, das Podium zur Klangbühne zu verwandeln. Der Geist der Komödie stellt sich nur selten ein. Das liegt auch daran, dass der Aufführung das eigentliche Zentrum fehlt.
Nathan Gunn bleibt als ...
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