Im Zeichen des Kreuzes
Die Hauptrolle spielt nicht der Zar. Sondern Gott. Denn die Alexander-Newski-Kathedrale, zu deren Füßen in Sofia Modest Mussorgskys «Boris Godunow» gegeben wird, feiert neunzigstes Weihejubiläum. Kirchenpatriarch Neofit von Bulgarien sitzt im Publikum. Bevor Konstantin Chudowski das Signal zum ersten Ton der eigentlichen Oper gibt, erklingt aus den Lautsprechern die Stimme des großen bulgarischen Basses Boris Christoff: ein Choral. Später öffnen sich die Tore im Portal, hinaus schreitet der Zar zu seiner Krönung, ein Schauspieler spricht als Patriarch die Zeremonie.
Die Glocken läuten, bedient von der alten Dame, die das immer macht. Und am Schluss begibt sich der nunmehr tote Boris zurück ins Schiff. Ein Spot lässt das Kreuz auf dem Turm aufleuchten.
Gespielt wird, von solcherart Beigaben abgesehen, David Lloyd-Jones’ «Boris»-Edition von 1975: ohne die Szenen zwischen Marina und Dimitri (die der Komponist in seine erste Fassung einfügte, weil ihr Mangel an Frauenrollen der Zensur nicht genehm war), aber mit dem Lied der Schankwirtin aus der zweiten Version. Etwas mehr Weiblichkeit also als in der Urfassung, aber keine Liebesintrige. Die Oper endet in Sofia nicht mit der ...
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Opernwelt August 2014
Rubrik: Magazin, Seite 77
von Wiebke Roloff
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