Aus einem Totenhaus
Niederösterreich» heißt es im Text, auch der Name Natascha kommt vor (die mörderische Mutter der Protagonistin wird so genannt). Das könnte ein Indiz für Aktualitätssucht sein. Doch Georg Friedrich Haas und sein Librettist Händl Klaus beteuern, «Bluthaus», 2011 in Schwetzingen uraufgeführt (siehe OW 6/2011), dessen erweiterte Neufassung nun erstmals bei den Wiener Festwochen vorgestellt wurde, lange vor Natascha Kampusch und Josef Fritzl konzipiert zu haben. Die Realität habe die Fiktion überrollt.
Die Kolportage-Handlung schildert das Trauma der von ihrem Vater missbrauchten Nadja (Sarah Wegener, großartig wie schon in der Schwetzinger Uraufführung). Sie will das Haus verkaufen, da die Eltern plötzlich verstorben sind. Peu à peu erfährt man, dass es Mord und Selbstmord war. Nachbarn und Interessenten kommen. Die Schatten der Vergangenheit fallen schwer auf Nadja; Vater und Mutter (beeindruckend Otto Katzameier und Ruth Weber) treiben als Zombies weiterhin ihr Unwesen, und im misslungenen Sexualakt mit dem Makler (der Counter Daniel Gloger) wird die unveränderte erotische Bindung des Mädchens an den Vater offenbar. Schließlich bleibt die junge Frau allein und erstarrt im ...
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Opernwelt Juli 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Gerhard Persché
Die Neuinszenierung von Frank Hilbrich bestätigt es: Die scheinbar leichte, heute etwas bemüht-brillant wirkende «Jazz-Oper» von 1927 ist nicht leicht zu realisieren. Mit ihr huldigte der blutjunge Avantgardist Ernst Krenek dem Zeitgeist der Goldenen Zwanziger – der Wagnerismus, dem noch Strauss und Schreker mit ihren lyrischen Musikdramen beseelt gefolgt waren,...
Als eine Art pièce de résistance gilt Brittens «Billy Budd» innerhalb der opernaffinen Queer-Community. Der «schöne Matrose», der alle Bewunderung an Deck eines Kriegsschiffs auf sich zieht, wird gern als Bild latent homosexueller Arbeits- und Lebenszusammenhänge gedeutet. Und entspricht so möglicherweise sogar den Intentionen des Komponisten (dessen Lebenspartner...
Der Laden sieht ziemlich schäbig aus: schmuddelig-gelbliche Wän- de, billiges Mobiliar, überall Müll auf dem schachbrettartigen Boden. Und an der dürftigen Theke, hinter der trostlose Kacheln giftgrün schimmern, fehlt selbst das, was sonst in jeder italienischen Bar zu finden ist: die Kaffeemaschine. Einzig der neon-leuchtende Schriftzug im Obergeschoss zeugt...
