Posttraumatisch
Es wird nie Tag in Roland Schwabs «Otello»-Welt. Was daran liegt, dass wir uns, in Piero Vinciguerras kalten Bildern, wohl im Kopf dieses Mannes befinden, von dessen Untergang wir Zeugen werden. Und in diesem Kopf herrscht Dunkelheit. Die Diagnose aus dem Parkett, wohl auch des Regisseurs, lautet: posttraumatische Belastungsstörung. Zypern liegt hier in Vietnam, es wird mit chemischen Waffen hantiert, Napalm, Agent Orange vielleicht.
Der strahlende Kriegsheld General Otello ist ein Verwundeter von Anfang an, ein schwer Gestörter, da kann er sich noch so breitbeinig aufbauen in seinen Kampfhosen. Bei dem tenoralen Kraftpaket Gaston Rivero muss man sich wenig sorgen um die hohen Töne di petto, aber es tönt auch etwas hohl – und niemals zart. Spätestens als er beim Empfang der Gesandtschaft seine Frau misshandelt und in der Gegend herumballert, weiß man Bescheid. Da hat nun Jago leichtes Spiel, und Nikoloz Lagvilava triumphiert schon im ersten Augenblick, fäusteballend, händereibend, schenkelklopfend. Er wird am Ende sogar einen großen Abgang haben. Er müsste dafür nicht der Grundböse sein, als den Shakespeare und das Gespann Boito/Verdi ihn zeigen, er braucht gar keine ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2019
Rubrik: Panorama, Seite 33
von Holger Noltze
Die Würfel sind gefallen: In einer nichtöffentlichen Sitzung hat der Aufsichtsrat des Theaters Halle gegen eine Verlängerung des Vertrags mit Opernintendant Florian Lutz votiert. Damit wird Lutz, der seit 2016 die künstlerische Verantwortung für die Oper Halle trägt, das Haus spätestens 2021 verlassen. Der öffentlich ausgetragene Machtkampf zwischen Opernleitung...
Diese Produktion ist ein bedeutender Beitrag zum Offenbach-Jahr. Weil sie hilft, die gedankliche Brücke zu schlagen von den grell-geistreichen Sozialsatiren zu «Hoffmanns Erzählungen». Unmittelbar vor «Fantasio» entstanden, im Sommer 1869, für ein Gastspiel der «Bouffes-Parisiens» in Baden-Baden, zeigt auch «Die Prinzessin von Trapezunt», wie sich die...
Ja, die sieben Zwerge sind wirklich traurig, als das ihnen zugelaufene Schneewittchen scheintot in seinem Sarg aus Eiskristallen liegt. Doch einer der sieben Winzlinge ist einfach nur ehrlich, wenn er sich fragt: «Wer putzt denn jetzt?» In gendergerechten Zeiten gilt es schließlich, das Verhalten jener Männer-WG zu hinterfragen, deren Bewohner wie Wagners...
