Auf und ab, vor und zurück
Eine Bürgeroper sollte es werden, damals, als Charlottenburg noch ein Vorort von Berlin war. Finanziert wurde sie privat als Aktiengesellschaft. Heinrich Seeling, der lokale Baustadtrat, entwarf das Gebäude an der Bismarckstraße als Gegenpol zur königlichen Staatsoper Unter den Linden. Größer, lockerer und im Klassizismus gebremst, war es gedacht für alle, die von Oper mehr wollten als Repräsentation. Zur Eröffnung 1912 gab es Beethovens «Fidelio»-Jubel, an Sonn- und Feiertagen wurde zweimal gespielt.
Puccini reiste zur deutschen Erstaufführung seines «Mädchen aus dem Goldenen Westen» an. Im Taumel der 1920er-Jahre konnte sich das Finanzmodell nicht halten. Die Stadt sprang ein, und «Groß-Berlin», zu dem nun auch Charlottenburg gehörte, leistete sich eine «Städtische Oper».
Sie hat ihren Namen und ihre Identität seitdem mehrfach geändert. Unter Goebbels wurde sie, mit eingebauter Führerloge, als «Deutsches Opernhaus» auf Parteilinie gebracht. Wie der damalige Intendant und Hans-Sachs-Darsteller Wilhelm Rode auf der Festwiese der «Meistersinger» mehrfach die Hand zum Hitlergruß reckt, das ist auf Filmschnipseln erhalten, und der Regisseur Enrique Sánchez Lansch hat es sich in seiner ...
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Opernwelt Dezember 2012
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Stephan Mösch
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An zwei Opernhäusern Berlins hat Hans Neuenfels inszeniert, nun...
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Im Sprechtheater wundert sich schon längst keiner mehr, wenn ein Regisseur den Originaltext als Steinbruch versteht und sich mit Strichen, Umstellungen und Implantaten ein neues Stück zusammenbaut. Im Musiktheater dagegen gilt die Partitur noch immer als (mehr oder weniger) sakrosankt, Verstöße gegen dieses eherne Gesetz ahndet das Publikum gern mit tumultartigen...
