Liebestodsüchtig

Augsburg | Berg: Lulu

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Dem scharfen Stahl ausgesetzt ist dieser Körper ständig. Schon zu Beginn, wenn Lulu auf eine drehbare Zielscheibe geschnallt ist. Als Objekt des Messerwerfers, als zirzensische Zurschaustellung ihrer Wehrlosigkeit. Mehrfach kehrt das Symbol der Scheibe wieder, gegen Ende wird ein kreisrunder roter Stoff wie ein Leichentuch ausgebreitet. Da ist der Stich nicht mehr fern: Es ist die einzige echte Liebesszene, in der dieses ungreifbare Frauenwesen plötzlich ganz bei sich ist – in der tödlichen Umarmung von Jack the Ripper. Alban Bergs liebestodsüchtige Musik erzählt überdeutlich davon.

Und wenn diese schmerzlich schönen Klänge anheben, dann ist auch dieser dritte Akt wieder bei der originalen Hinterlassenschaft des Meisters. Was vorher war, ist ein neues Konstrukt, auf das auch das Theater Augsburg für seine «Lulu» vertraut: die 2010 in Kopenhagen erstmals gespielte Fassung von Eberhard Kloke. Viel freier als Friedrich Cerha geht er mit Bergs Fragmenten um. Lücken und mehr Sprechstrecken lässt er zu. Und so, wie sich Lulus Leben immer mehr entleert, so bröseliger, bröckeliger wird auch das Stück in der Kloke-Fassung.

Dass dieser Showdown-Akt in Augsburg die stärksten Momente bietet, ...

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Opernwelt Februar 2012
Rubrik: Panorama, Seite 34
von Markus Thiel

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