Sie sind so frei
Waschküche. Keine zehn Meter Sicht. Manchmal verschwindet alles in schlieriger Nebelwatte. Die schmucken Häuser, der schlanke Betonturm der Église, die Talstationen der Lifte. Wenn die Wolken tief hängen, existiert Verbier nur in der Vorstellung. Wie die schneegedeckten Gipfel der umliegenden Viertausender, die an einem klaren Tag zum Greifen nahe scheinen. Gegen Mittag: Starkregen. Es schüttet, als habe ein durchgeknallter Wettergott beschlossen, den ganzen Ort wegzuschwemmen. Runter in die Rhône, von 1500 auf 450 Meter, und dann ab in den Genfer See.
Früher Nachmittag: Der Himmel hat plötzlich blaue Flecken, spendet fahles Licht, die Bergwiesen dampfen. Und die Salle des Combins hinter dem Sportzentrum ist mal wieder voll besetzt. Ein ganz normaler Julitag, Verbier zur Festival-Zeit.
Diesmal sitzen die Jüngsten auf der Bühne, Teenager aus aller Welt, die zum Music Camp eingeladen wurden. Vier Wochen haben sie mit Daniel Harding, dem Künstlerischen Leiter des Camps, mit Jesús López Cobos und dem in Finnland lebenden russischen Dirigenten Dima Slobodeniouk geprobt. Mit dem Cellisten Steven Isserlis sind sie schon aufgetreten, bald werden sie ihre erste Oper spielen, «L’elisir ...
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Opernwelt September/Oktober 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 32
von Albrecht Thiemann
Herr Engstroem, zum Jubiläumsfestival sind mehr Musiker und mehr Besucher nach Verbier gekommen als je zuvor. Gibt es für Sie Grenzen des Wachstums?
Ich freue mich natürlich, dass das, was wir seit 1994 versuchen, einen so guten Ruf hat. Es ist ja nicht so, dass man mal eben einen Abstecher nach Verbier macht. Dafür liegt der Ort zu abgeschieden. Verbier ist eine...
Seit über Kunst nachgedacht wird, also schon sehr lange, treibt die Frage um, was Musik eigentlich sei. Das «Schöne», sein Eigenwert, seine Funktion, in Abgrenzung zum «Hässlichen» – darum kreisen die Debatten. Im deutschen Kulturbereich scheint das Thema nach wie vor blockiert. Idee wie Ideologie der «absoluten» Musik haben diese festgelegt auf die kunstreligiöse...
Sie reden wieder miteinander. «Alexander Pereira im Gespräch mit Franz-Welser Möst», hieß es in der Einladung zum Pressegespräch vor der «Rosenkavalier»-Premiere. Ein aus der Not geborenes Arrangement, ein Zweckbündnis. Es ist noch gar nicht so lange her, da hätte man sein letztes Hemd verwettet, dass der Herr Generalmusikdirektor von der Wiener Staatsoper nicht...
