Blick ins Innere
Wenn’s denn ein Kalauer sein darf: Das Auge war in aller Munde. Johannes Leiacker hat es für Giacomo Puccinis «Tosca» auf der 700 Tonnen schweren und sieben Millionen Euro teuren Bregenzer Bodenseebühne entworfen, 50 Meter breit, 30 Meter hoch. Seine Pupille kann ausgeklappt, gedreht und geschwenkt werden. Dann ist sie die zentrale Spielfläche.
Das Bregenzer Auge ist, der Gräfin Attavanti abgeguckt, Teil des Kirchengemäldes, mit dem Cavaradossi die Eifersucht Toscas weckt, und es steht unter anderem auch für den totalen Überwachungsstaat des Polizeichefs Scarpia, dessen Geheimdienst alles sieht.
In diesem Auge finden sich Scarpias Folterkammern, und aus ihm tönen die grässlichsten Schmerzensschreie, die der malträtierte Oppositionelle und verhasste Nebenbuhler Cavaradossi je hören ließ. Kein Wunder, dass die Adern des Auges sich auch mal blutgetränkt darbieten. In diesem Auge wird mit allem römischem Pomp das «Tedeum» gesungen, dieweil unterm inzwischen aus dem See emporgewachsenen, 14 Meter hohen Stahlkreuz die politischen Häftlinge reihenweise abgeknallt werden. Lange wirkt Leiackers Auge malerischer, flächiger und somit enttäuschender als die Bühnenskulpturen, die vordem den ...
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