«Ohne Intuition geht gar nichts»

Zweifellos ist sie eine der vielseitigsten Sängerinnen unserer Zeit: Marlis Petersen hat in der vergangenen Saison Aribert Reimanns «Medea» zum Triumph geführt und Mozarts Pamina unter der Leitung von René Jacobs aufgenommen, sie gastierte an der Metropolitan Opera als Lulu, war die Donna Anna beim Festival von Aix-en-Provence und Thaïs in Athen. Außerdem widmete sie sich dem Liedschaffen von Schumann und Brahms. Trotz dieses enormen künstlerischen Radius wirkt sie bei jedem ihrer Auftritte persönlich, unverwechselbar, authentisch. So wurde sie zur «Sängerin des Jahres» gewählt – eine Auszeichnung, die sie nach 2004 bereits zum zweiten Mal erhält, was wiederum ein bislang einma­liger Vorgang ist. Diese Künstlerin trotzt den Gefahren des Sängermarktes und kann ihr Niveau nicht nur halten, sondern weiterentwickeln und steigern.

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Frau Petersen, auf Ihrer neuen CD interpretieren Sie Liebeslieder von Robert Schumann – gemeinsam mit Anke Vondung, Werner Güra und Konrad Jarnot sowie den Pianisten Christoph Berner und Camillo Radicke. In dem Zyklus «Spanisches Liederspiel» op. 74 findet sich eine der wenigen Solo-Nummern: «Melancholie». Sie singen das, als ob Sie das Verzweifeln an der «Qual der Liebe» nur zu gut kennen...
Das liegt an Schumann. Er hat dieses Lebensgefühl musikalisch so überzeugend ausgedrückt, dass ich das nachvollziehen kann.

Auch wenn die Melancholie meinem Naturell eigentlich überhaupt nicht entspricht.

Haben Sie deshalb bislang einen Bogen um das romantische Liedrepertoire geschlagen?
Nein. Es war einfach so, dass bei mir der Schwerpunkt auf der Oper lag. Erst in letzter Zeit ist das Lied für mich wichtiger geworden. Das Lied bedeutet für mich eine Rückbesinnung auf die Essenz des Singens. Man ist ganz auf die Stimme zurückgeworfen, völlig auf sich gestellt. Es gibt keine Bühne und kein Orches-
ter. Alles hängt davon ab, wie man den Text und die Musik behandelt. Das finde ich großartig.

Mit dem erwähnten Schumann- und einem vorausgegangenen Brahms-Programm setzen Sie sich für eine kaum ...

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Opernwelt Jahrbuch 2010
Rubrik: Sängerin des Jahres 2010, Seite 4
von Albrecht Thiemann

Vergriffen
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