Editorial
«Dürfen wir mal schnuppern?» Gerade hat Dulcamara dem herzschmerzgeplagten Nemorino in der Check-in-Halle das Heilfläschchen aus seinem Überseekoffer angedreht. «Riecht nach Bordeaux», meint Neri Marcorè. Schon wieder hat sich der RAI-Moderator mit seiner Arte-Kollegin Annette Gerlach unter die Sänger gemischt, die am Mailänder Flughafen Malpensa Donizettis «L’elisir d’amore» aufführen. Mit Vittorio Grigolo, hier der Verliebte aus der Pizzeria, haben sie schon angestoßen. Nun muss Michele Pertusi, der den baritonbewehrten Quacksalber gibt, ein bisschen Smalltalk machen.
Zur Ouvertüre kreiste er noch in einer fliegenden Kiste der «Elisir Air», am Rollfeld sehnsüchtig erwartet von Alexander Pereira, der sich das «interaktive» September-Spektakel ausgedacht hatte. Natürlich darf auch der Scala-Chef vor der Kamera brillieren: «Diese Oper bringt uns sehr viel Freude», sagt er, hebt einen Champagnerkelch und schwärmt vom tollen Gulasch, Kaviar und den Wiener Schnitzeln, die es auf dem nahe gelegenen Expo-Gelände gibt.
Seid umschlungen, Millionen! Oper als Musikantenstadel. Als Twitter-Event. Als Markenzeichen und Werbeträger. Für das Teatro alla Scala, das Grischa Asagaroffs ...
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Opernwelt November 2015
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Wiebke Roloff & Albrecht Thiemann
Es klingt als Arbeitsvorhaben zunächst nicht ungewöhnlich: eine dokumentarische Biografie zu Walter Felsenstein. Der große Regisseur ist seit 40 Jahren tot, das ihm gewidmete, umfangreiche Archiv wird von der Akademie der Künste in Berlin betreut. Seine Arbeiten, so scheint es, sind besser dokumentiert als die jedes anderen Regisseurs seiner Generation. Trotzdem...
Herr Terfel, Sie sind einer der erfolgreichsten Sänger überhaupt. Woher kommen die Gerüchte, Sie wollten Ihre Karriere aufgeben?
Vor einiger Zeit habe ich für ein Jahr meine Opernaktivitäten ausgesetzt, um mich auf Lied und Oratorium zu konzentrieren – Oper kostet viel Zeit. Und mit 45 war ich tatsächlich an einem Punkt, an dem ich darüber nachgedacht habe, mich...
Zu Sebastian Baumgartens Bayreuther «Tannhäuser» ist in dieser Zeitschrift das Notwendige gesagt worden (siehe OW 9-10/2011). Über Joep van Lieshouts «Technokrat»-Installation, in der die Figuren zur Biomasse einer auf Bedeutungshuberei gepolten Assoziationsmaschine schrumpfen. Über die prätentiöse, dialektisch verschraubte Antitheater-Attitüde, der alle Emphase...
