Blitz, Donner, Angst, Tod
Alexander Pereira gehört zu denen, die man manchmal vor ihren eigenen Worten schützen muss. Von dramaturgischen Leitlinien und Motti hält der Zürcher Opern- und künftige Salzburger Festspielintendant erklärtermaßen nichts. Was aber ist es dann, wenn er in ein und derselben Zürcher Spielzeit drei Künstleropern vom Gewicht des «Palestrina», der «Meistersinger» und des «Mathis» stemmen lässt? Und wenn er nach dem «Otello» des alten Giuseppe Verdi in kurzem Abstand auch den des jungen Gioacchino Rossini folgen lässt?
Wer sich über diesen «Otello», die 18.
(!) Oper des 24-Jährigen, kundig machen will, stößt auch in der Wissenschaft unwillkürlich auf verzückte Statements. Das, so heißt es überall, sei der früheste genuin romantische, obendrein nahezu durchkomponierte Geniewurf der Operngeschichte. Und anders kann nicht reagieren, wer das Finalbild des «Otello» jetzt wieder bestaunte – und sich jeden Vergleich mit Verdis 71 Jahre jüngerer Version verkneift. Wie da der ahnungsvolle (Dante-)Gesang des Gondoliere in Desdemonas Todesgedanken hereintönt, wie sich ihr immer wieder neu koloriertes Lied vom Weidenbaum Variation um Variation dem Zerbröckeln, dem Versiegen entgegensingt, wie Donner ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2012
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Heinz W. Koch
Gäbe es so etwas wie eine Hitparade der klassischen Musik, Lyonels schmachtende Arie «Ach so fromm» mit dem berühmten Schlussseufzer «Martha, Martha, du entschwandest», dürfte sich nach wie vor auf den vorderen Plätzen behaupten, wenn sie auch mittlerweile in der italienischen Version, «M’apparì», die in keinem Recital südländischer Tenorstars fehlt, noch populärer...
Eine Produktion im Zeichen des Abschieds: Intendant Johannes Reitmeier schenkte sich und dem Publikum zum Finale die Kaiserslauterner Erstaufführung (!) des «Parsifal». Wie gut das Haus bestellt ist, das der 49-Jährige bei seinem Wechsel nach Innsbruck hinterlässt, zeigt ein Blick auf die vier abschließenden Musiktheater-Produktionen: neben Wagners...
Ohne den notorischen BIC-Stift, der ihm oft als Dirigentenstab dient und irgendwie zu seinem Markenzeichen wurde, sondern mit bloßen Händen formend, schraffiert René Jacobs in vertikal wippenden Arm- und Körperbewegungen Glucks «Telemaco»-Musik sozusagen in den Raum. Wobei das Ganze, will man den Vergleich weiterspinnen, eher auf eine zart aquarellierte Zeichnung...
