Auf dem Drahtseil
Es ist einfach ausweglos. Castor und Pollux lieben beide Télaïre, sind einander aber mindestens ebenso zugetan. Und keiner erträgt des anderen Unglück. Das Hin und Her hat erst ein Ende, als Jupiter die Brüder als Sternbild in den Himmel schickt. In der Einspielung der australischen Kompanie Pinchgut Opera erwachen die Figuren zum Leben, zeigen sich voller Fleisch, Blut, Persönlichkeit. Dass wir bis zum Ende am Ball bleiben, liegt nicht an Perfektion. Es liegt vor allem an dem ungeheuren Engagement, mit dem alle Beteiligten bei der Sache sind.
Jeffrey Thompson etwa steigert sich in Castors Schmerz derart hinein, dass er mitunter vom Singen ins Rufen oder Schluchzen rutscht. Seine Hingabe trägt ihm in dieser haute-contre-Partie mit ihren gemeinen Hochlagen ein paar Intonationsschwächen ein. Aber die nehmen wir in Kauf – für die kostbaren Augenblicke bewegender Emotionalität. Hadleigh Adams ist ihm ein warmherziger Pollux mit charmantem S-Fehler. Als Télaïre überzeugt Celeste Lazarenko mit glasklarem Sopran, Margaret Plummer trumpft als verschmähte Phœbé mit goldenem Timbre und ausdrucksstarken Rezitativen. Antony Walkers Orchestra of the Antipodes nimmt durch eloquente Phrasierung ...
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Opernwelt Februar 2015
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 19
von Wiebke Roloff
Wenn heute jemand eine Neuaufnahme von Schuberts «Winterreise» wagt, sollte er gute Gründe haben. Handelt es sich doch um den wahrscheinlich meisteingespielten Liedzyklus; eine neue Aufnahme wirkt schnell so überflüssig wie ein Kropf, wenn sie nicht Ausnahmerang gewinnt. Der Tenor Daniel Behle wagt gar zwei Einspielungen in einem Album – und hat überzeugende...
Das ungeliebte Frühwerk» – der Titel übertreibt nicht. Und «Das Liebesverbot», ohnehin nicht zum Bayreuther Kanon gehörig, ist unter Wagners Frühwerken nochmals in besonderer Weise ungeliebt. Mögen sich die «Feen» auf die späteren romantischen Opern beziehen lassen und «Rienzi» eine gattungsgeschichtlich interessante Brücke zur Grand opéra schlagen (von der sich...
Salomone Rossi (ca. 1570 bis ca. 1630), ein «Ebreo da Mantova», wirkte als Geiger, später als Kapellmeister am Hof der Gonzaga in Mantua, war also ein nur wenig jüngerer Kollege Claudio Monteverdis. Neben höchst eigenständigen Beiträgen zur frühen Instrumentalmusik ist besonders Rossis geistliche Musik für die Synagoge von Bedeutung. Durch einen rabbinischen Erlass...
