Zwischen den Zeiten
Vor Danzigs neuester und bewegendster Sehenswürdigkeit halten keine Touristenbusse. Überhaupt kommen kaum Leute dorthin. Vor den Wällen der alten Stadtbefestigung, eingekeilt zwischen Busbahnhof und Stadtautobahn, liegt der «Friedhof der nichtexistierenden Friedhöfe». Ein kleines Stück Ruhe inmitten des Verkehrsgetümmels. Buchen und Eichen, dazwischen Steinsäulen, die aussehen wie geborstene Baumstämme. Nur angedeutete Gräber. Überreste alter Grabsteine stützen eine symbolische, große Granitplatte im Zentrum.
Respektvoll wird hier erinnert an all diejenigen, deren Namen kein Grabstein nennt. Ein Versöhnungs- und Vergebungsversuch zwischen Generationen, Religionen, Kulturen. Ein Blick zurück in die Geschichte der Stadt und einer nach vorne – ein dezenter Blick, illusionslos und doch hoffnungsvoll.
Man kann in Danzig (polnisch: Gdansk) nicht einfach in die Oper oder ins Konzert gehen, ohne das, was war, mitzudenken. Die Geschichte schwingt überall mit. Sie ist Architektur und Sozialstruktur. Sie steckt in kleinen Blicken und großen Straßenzügen. Ihre tausend Jahre haben sich eingraviert in Gebäude und Gedanken. Danzig, das ist heute mehr denn je ein mentaler Raum, in dem sich die ...
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