Zwickau: Lied vom Tod
Seit der Uraufführung in Bremen 1999 ist Detlev Glanerts Kammeroper über den Justizmord an Joseph Süß Oppenheimer, dem Financier des württembergischen Dandy-Herzogs Karl Alexander, mehrfach nachgespielt worden. Zuletzt war das im frühen 18. Jahrhundert angesiedelte, virtuos mit Mustern und Formen der Barockmusik jonglierende Stück in Trier (siehe OW 7/2010) sowie am Münchner Gärtnerplatztheater zu sehen (siehe OW 5/2012).
Während diese Koproduktion mit dem Theater Erfurt – Regie führte Hausherr Guy Montavon – Ende März dort in die zweite Runde geht, ist am kleinen Theater Plauen/Zwickau bereits eine neue szenische Auseinandersetzung mit «Joseph Süß» zu besichtigen. Und die braucht keinen Vergleich zu scheuen.
Regisseur Thilo Reinhardt verzichtet auf eine wohlfeile Aktualisierung des Stoffes, meidet den abgegriffenen Fundus der NS-Symbolik, um uns die antisemitische Hatz unter die Haut zu treiben, der Oppenheimer 1738 in Stuttgart zum Opfer fiel. Und er widersteht der Versuchung, den parabelhaften Bilderbogen mit Anspielungen auf jene NSU-Zelle zu übermalen, die ihre Mordkampagne von der Zwickauer Frühlingstraße aus plante. Reinhardt stellt das Geschehen – die Kerker-Gegenwart des ...
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Opernwelt Januar 2014
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Albrecht Thiemann
I.
Gleich zu Beginn, wenn das tiefe «Es» aus dem Orchestergraben brummt, hebt sich der eiserne Vorhang. Im Halbdunkel sehen wir ineinander geknäulte Menschenleiber, hundert oder hundertfünfzig mögen es wohl sein. Ein Spiegel, der aus dem Schnürboden herunterragt, lässt ihre Zahl ins Unendliche wachsen. Je mehr sich der Es-Dur Dreiklang auffaltet, desto mehr faltet...
Bei einem Großformat wie «Parsifal» summieren sich künstlerische Entscheidungen zu ansehnlicher Lebenszeit: Was Pierre Boulez 1970 in gut dreieinhalb Stunden verhandelte, dafür ließ sich James Levine 1990 eine geschlagene Stunde mehr Zeit. Von Richard Strauss stammt das Bonmot, der Meister habe «Parsifal» schon sehr langsam komponiert, dazu brauche man nicht durchs...
Mit einem Schrei der Senta wird der Zuschauer in die Pause entlassen. Der Regisseur Alexander Nerlich legte sie auf den Beginn des Finales zum zweiten «Holländer»-Akt, wo der geheimnisvolle Mann erstmals in Sentas Blickfeld tritt, genauer: wie von einer unsichtbaren Macht auf die Bühne geworfen wird. Nerlich geht es in dieser Geschichte vor allem um den Einbruch...
