Zusammengeschustert?

Englische Masques: Einspielungen von Webers «Oberon» und Thomas Arnes «The Judgement of Paris»

Opernwelt - Logo

Zoff bei Oberons. Der Elfenkönig liegt im Streit mit seinem Ehegespons Titania, es geht um die menschliche Treue. Diese rechtfertigen müssen daher der Ritter Hüon von Bordeaux und Rezia, die Tochter des Kalifen zu Bagdad, allerlei Wundersames und auch schwer Erträgliches durchstehen, ehe sie einander in die Arme fallen dürfen. So weit die Handlung von Webers «Oberon» (1826).

Dass die Aufführung des Stücks als schwierig gilt, hat auch mit einer Art von theatralem «Brexit» zu tun.

Denn dass der Komponist sich in diesem für London konfektionierten Stück bewusst einer späteren Abart einer typisch britischen Bühnen-Abart, der Masque, ausgeliefert hatte, wollte selbst Oskar Bie (in «Die Oper», 1913) nicht wahrhaben. Das Libretto sei, so Bie, aus Wieland und Shakespeare «zusammengeschustert», das Stück insgesamt «die reine Automatie von Figuren und Dekorationen […], keine Spur von Seele …». Genau dies aber war das Charakteristikum der Masque: dass Ausstattung und Allianz unterschiedlicher Theaterformen wichtiger waren als jedwede psychologische Durchdringung der Figuren. In deutschen Landen unterzog man «Oberon» indes immer wieder dramaturgischen Rettungsversuchen – unter den Nothelfern ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt September/Oktober 2019
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 46
von Gerhard Persché

Weitere Beiträge
Theater ist eine Droge

Frau Gürbaca, in seiner Studie über Luigi Cherubinis «Medée» vertritt Günter Ned die folgende These: «Im Augenblick, wo der Künstler ans Leben glaubt, verliert er die Kunst, und sie verlässt ihn.» Geben Sie ihm recht?
Im Gegenteil. Der Künstler muss, um Kunst machen zu können, leidenschaftlich im Leben stehen. Woher nimmt man sonst die Inhalte, wenn nicht aus dem,...

Chance genutzt, Chance verpasst

Großer Bahnhof für Wolfgang Wagner, der in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden wäre. Einen «fränkischen Sokrates» hatte ihn einst Walter Jens genannt. Fast 60 Jahre leitete er die Bayreuther Festspiele (davon 15 mit seinem Bruder Wieland). Nun wurde er nicht nur in Haus Wahnfried mit einer Ausstellung geehrt, von der vor allem viele bislang unveröffentlichte Fotos...

TV-Klassiktipps September/Oktober 2019

arte

01.09. – 17.35 Uhr
Konzert am Mailänder Domplatz 2019

Werke von Dvořák und Rota
ML: Chailly

07.09. – 19.30 Uhr
Das Wunder von Nairobi

Inmitten des gefährlichsten Slums von Nairobi wurde vor zehn Jahren ein klassisches Jugendorchester gegründet. Bis dahin hatte kaum jemand in Korogocho eine Geige oder ein Cello gesehen. Heute erklingen nahe der Mülldeponie Sonaten...