Zum Goldenen Opernhafen

Marseille, Cosma: Marius et Fanny

Opernwelt - Logo

Auf den Spielplänen unserer Schauspielhäuser tauchen sie kaum noch auf: Marius, Fanny und César, die in Frankreich unsterblichen Gestalten vom Alten Hafen in Marseille, denen Marcel Pagnol in seiner Trilogie ein wunderbar menschliches Denkmal setzte. «Zum Goldenen Anker» hieß das komplette Stück bei uns, und es wurde nach dem Krieg viel gespielt. Das Geheimnis seines Erfolgs lag darin, dass es dem Provencalen Pagnol (1895-1974) gelang, seine Figuren über den typischen volkstümlichen Tonfall hinaus in die Bezirke einer heim­lichen Komödie zu führen.

Die Menschen erscheinen so, wie sie in der Wirklichkeit sind, mit allen kleinen und großen Schwächen, mit Sehnsüchten und jener Tapferkeit des Alltags, die zu guter Letzt die Irrungen und Wirren des Lebens noch halbwegs ins Lot bringt.
Jetzt kam die Oper Pagnol zur Hilfe. Der 1940 in Bukarest geborene, in Frankreich lebende Komponist Vladimir Cosma komprimierte Pagnols Trilogie zu einem handfesten, lebensprallen und farbigen Libretto und schrieb dazu eine Musik, die jedem Avantgardisten Magengrimmen verursachen dürfte, aber in ihrer kultivierten Machart, mit zarten Melodien, sehnsuchtvollen Aufschwüngen, humorvollen rhythmischen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2007
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Gerhard Rohde

Vergriffen
Weitere Beiträge
Stockhausen auf Youtube

Hier geht es ums Ganze. «Kunst ist das größte, menschlichste und erhabenste politische Spiel», so steht es auf dem Transparent, das Hans Sachs während des Vorspiels auf der karg ausgestatteten Bühne installiert. Der Spruch wirkt zwar plakativ und pauschal, aber hier, in einer schleichend ausdünnenden Kulturlandschaft, hat er seinen Sinn. Warum sollte man in Halle...

Schwacher Einstieg

Ulrich Peters hat zu Beginn seiner Intendanz am Gärtnerplatztheater auf einen großen Namen gesetzt und mit dem siebzigjährigen Alfred Kirchner (dessen Inszenierung der «Soldaten» 1987 in Frankfurt ebenso unvergessen ist wie sein «Lohengrin» auf dem Campingplatz in Oslo) dennoch nicht das große Los gezogen. An zwei zentralen Figuren wird die Crux der Inszenierung...

Clash der Kulturen

Ich bin sicher», so Hector Berlioz 1861 nach Abschluss der Komposition seiner monumentalen Oper «Les Troyens», «dass ich ein großes Werk geschaffen habe, größer und erhabener als alles, was bis heute geschrieben wurde.» Die Mit- und Nachwelt war anderer Meinung, und so vergingen nach dem Tod von Berlioz genau hundert Jahre, bis «Die Trojaner» endlich ungekürzt zur...