Zerschossene Träume
Serge Dorny lehnt sich zurück und weist in die Ferne. In seinem gläsernen Büro hoch über Lyon räsoniert der Opernintendant über Interaktionen mit den Stadtteiltheatern oder dezentrale Kultur- und Bildungsprojekte, welche die drittgrößte französische Stadt und ihre sozialen Problemviertel so bitter nötig haben. «Für mich sind kulturelle Aktivitäten in diesen Gegenden kein Marketing, sondern wir stellen uns ganz grundsätzlich die Frage, wie Kultur an den Äußerungen einer Stadt teilhaben kann, etwa an der Allgemeinbildung der Jugendlichen.
Damit befragen wir die eigene Institution nach ihrer Relevanz.»
Auch das Viertel, das unmittelbar hinter dem pompösen Rathaus von Lyon den Hügel hinaufkriecht, war ein klassisches Arbeiterviertel mit hohem Migrantenanteil, in dem (westliche) Kultur eher misstrauisch beäugt wurde. Das hat sich geändert. Vor allem mit dem Théâtre de la Croix-Rousse, einem Bau aus den späten 1920er-Jahren, gibt es eine Zusammenarbeit in Sachen Musiktheater, mit dem der Direktor Jean Lacornerie als Regisseur eigene Erfahrungen hat. Wobei er diesmal auf ein Werk verfiel, das in Frankreich noch nie und in Deutschland nur selten gespielt wurde: Boris Blachers Kammeroper ...
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Opernwelt April 2015
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Michael Struck-Schloen
Gleich in der ersten Szene erscheinen Amando und Amanda als Sophie und Octavian aus dem «Rosenkavalier»: Und wäre nicht zuvor Ligetis schräge Autohupenfanfare erklungen – man wähnte sich im falschen Stück. Die Essener Philharmoniker unter Dima Slobodeniouk intonieren den flirrenden Klangzauber dieser Passage so süffig, und Elizabeth Cragg und Karin Strobos singen...
«Tut wu-a yeri enti / Waa wau yeri wenenet.» Schon die Sprache schafft Distanz. Echnaton, der Pharao mit den radikalen Ideen und der unstillbaren Sehnsucht nach dem Licht, preist den Schöpfer der Dinge und des Lebens, der die Menschen mit seinen Augen und die Götter mit seinem Mund schuf, (meist) in altägyptischer Sprache: «Perer en rem em yertif / Cheper netscheru...
Natürlich muss man im Musiktheater keine Geschichten mehr erzählen. Und natürlich darf ein Regisseur einfach mal seinen musikalischen Vorlieben frönen, statt immer nur Händel, Verdi oder Alban Berg szenisch nachzulaufen. Der in den Niederlanden lebende israelische Theatermacher Sharon Minailo liebt die isländische Pop-Ikone Björk, ihre schräge Garderobe und die...
