Zeitgenössische Vokalmusik aus 70 Jahren
Die instrumentalen Partituren von Adriana Hölszky wirken mit ihren dauererregten, chaotisch zerfaserten Texturen immer schon wie ein Klangtheater, das sich mit surreal anmutenden Bildwelten seine eigene Szenerie schafft. Doch in Verbindung mit einer Bühneninszenierung werden noch einmal ganz andere Schichten freigelegt. So geschehen mit der Komposition «Roses of Shadow» für Sopran und Ensemble, die vor Kurzem von Martin Schläpfer für das Ballett am Rhein Düsseldorf/ Duisburg choreografiert wurde; Ausschnitte daraus sind im Internet zu sehen.
Der Bilderreichtum der Musik pur zeigt sich in der Aufnahme mit einem Instrumentalensemble unter der Leitung von Wen-Pin Chien und der mit allen Wassern zeitgenössischer Vokalkunst gewaschenen Sopranistin Angelika Luz. Das Werk, das einen Text nordamerikanischer Indianer mit einem Shakespeare-Sonett verknüpft, ist von hoher Einfallsdichte, die musikalische Rede reicht von der Empörung bis zur Groteske und kann auch unvermutet in Komik kippen. Das zweite Werk auf der technisch vorzüglich produzierten SACD ist «Message» nach Eugène Ionesco für drei Vokalisten mit Zusatzinstrumenten und Live-Elektronik. Die Aufnahme ist aus einem Guss und ...
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Opernwelt August 2018
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 27
von Max Nyffeler
Sie können sich freuen in München. Mit Vladimir Jurowski tritt ab der Spielzeit 2021/22 ein Dirigent der Extraklasse in die Fußstapfen von Kirill Petrenko als Musikchef der Bayerischen Staatsoper. Neuerlicher Beweis: der Live-Mitschnitt einer konzertanten Aufführung von Tschaikowskys «Pique Dame» in Tel Aviv – mit Jurowski am Pult des Israel Philharmonic...
Wir befinden uns im Jahr 2018 nach Christus. Fast alle erfolgreichen Opern des 20. Jahrhunderts wurden ausgegraben und aufgeführt, selbst die mittelmäßig erfolgreichen. Ein unbeugsames Werk aber schlummerte bis dato unberührt in den Archiven. Doch nun, nach einer konzertanten Aufführung kürzlich in Berlin, hat die Oper Bonn Hermann Wolfgang von Waltershausens...
Giovanni Legrenzi schreibt derart affektpräzise Kurzstreckenarien, dazu nicht minder konzis knappe Rezitative, dass er geradezu den Anschein eines durchkomponierten Stils erregt. Auch sein harmonischer Tonartenplan sorgt für einen steten Fluss, der die Handlungsspannung nie abreißen lässt. Dabei fand die Uraufführung von «La divisione del mondo» bereits zum...
